Lexikon der Filmbegriffe

Orphan films

von engl.: orphan = Waisenkind, der Eltern beraubt; auch: ephemere Filme

In manchen Kontexten werden Filme, die außerhalb kommerzieller Verwertungsinteressen stehen und oft als Unikate in Archiven, aber auch in privaten Sammlungen sind, auf Speichern oder in Nachlässen liegen, als „ihrer Eltern beraubte Filme“ – orphan films / „verwaiste Filme“ – bezeichnet. Dabei handelt es sich um Amateurfilme, Nachrichtenfilme, filmische Reisedokumente und -berichte, ethnographische und ethnologische Filme, Schul-, Instruktions- und Wissenschaftsfilme, Medizin- und Aufklärungsfilme und dergleichen mehr. Sie sind erst äußerst spät in ein archivalisches sowie in ein kommunikations- und mediengeschichtliches, ein kulturwissenschaftliches und ethnographisch-volkskundliches Interesse getreten. Sucht man im einen Fall historische Konzeptualisierungen von Gegenständen, im anderen historische Vermittlungsformen aus den Filmen herauszuarbeiten, geht es in einem dritten eher um die Bedeutung derartiger Filme als historische Dokumente, ihren Wert als Zeugnisse historischer, regional oft spezifischer sozialer Praxen usw. Die zum Teil deutlich verschiedenen Zugänge zu dem unabsehbar großen Korpus an Filmen werden in den letzten Jahren vermehrt miteinander in Berührung gebracht oder gar verschmolzen. Für die Erhaltung der orphan films wurde in den USA die National Film Preservation Foundation eingerichtet, die seit 1993 über jährlich 250.000 US-$ verfügen kann. 

Literatur: Cohen, Emily: The Orphanista Manifesto. Orphan Films and the Politics of Reproduction. In: American Anthropologist 106,4, Dec. 2004, S. 719-731. – Streible, Dan: The role of orphan films in the 21st century archive. In: Cinema Journal 46,3, Spring 2007, S. 124-128. – Wintle, Pamela / Homiak, John P.: Guide to the Human Studies Film Archives. Washington: National Museum of Natural History, Smithsonian Institution 1995.
 

Referenzen:

ephemere Filme


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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