Lexikon der Filmbegriffe

Fin-Syn-Rule

auch: Fin/Syn-Rule, „Fin-Syn“-Rule; eigentlich: Financial Interest and Syndication Rule

Die Fin-Syn-Rule wurde 1970 von der Federal Communication Commission (FCC), der obersten Rundfunkregulierungsbehörde der USA, erlassen. Sie verfolgte zwei Ziele: Die Übermacht der großen Networks (CBS, ABC und NBC) sollte begrenzt und zugleich die Verhandlungsmacht der unabhängigen Film- und Fernsehproduzenten gestärkt werden. Dahinter stand das Ziel, größere Programmvielfalt sicherzustellen. Die Fin-Syn-Rule verbot den Networks die „Syndication”, also den Verkauf von Programmrechten im Inland, und beschränkte außerdem den Weltvertrieb auf Rechte an Eigenproduktionen. Die Regel wurde nach einem Kartellverfahren 1977 nochmals verschärft. Die Networks durften mit Ausnahme von Nachrichtenformaten gar keine Programme mehr selbst produzieren; Rechtehandel war ihnen untersagt, gekaufte Senderechte fielen nach fünf Jahren (oder weniger) an die Produzenten zurück. Die Quote der von unabhängigen Produzenten hergestellten Programme stieg daraufhin auf über 80% der Hauptsendezeit.
Die Fin-Syn-Rule verlor gegen Ende der 1980er zunehmend an Bedeutung. 1985 wurde den Networks ein Umfang von 3, 1988 von 5 Stunden wöchentlicher Eigenproduktion zugestanden. Erstmals 1991 wurde die Fin-Syn-Rule aufgeweicht, als den Sendern – die von 90% Marktanteil anfangs der 1970er auf 65% zurückgefallen waren – eine Quote von 40% Eigenproduktion für das Non-News-Programm gestattet und das Vertriebsverbot aufgehoben wurde. Im Telecommunications Act von 1996 gab es keine Fin-Syn-Rule mehr. 

Literatur: Castendyk, Oliver: Möglichkeiten rechtlicher Regulierung zugunsten der Film- und Fernsehproduzenten in Nordrhein-Westfalen. Gutachten. Düsseldorf: Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen 2005, ULR: http://www.lfm-nrw.de/. – Covington, William G.: The Financial Interest and Syndication Rule in retrospect: history and analysis. In: Communication and the Law 6, 1994, S. 189ff.


Artikel zuletzt geändert am 29.01.2012


Verfasser: HHM


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