Lexikon der Filmbegriffe

Hermeneutik

Hermeneutik (oder Verstehenslehre) ist die ursprünglich vor allem im juristischen Kontext entwickelte Kunst der (Text-)Auslegung. Die Hermeneutik im philosophischen Sinn – von Schleichermacher und Dilthey auf den Weg gebracht – hat es primär mit einer Analyse des Begriffs des Verstehens zu tun und damit zugleich mit einer Analyse der entsprechenden Kriterien und Normen, die dem Verstehensprozess zugrunde liegen bzw. gelegt werden sollten (Fellmann 1991, Grondin 1991). Wichtig ist in diesem Zusammenhang der (das Verstehen ermöglichende) hermeneutische Zirkel, dem zufolge es ein Bedingungsverhältnis zwischen dem Verstehen einzelner Textelemente und dem Verstehen des Ganzen bzw. zwischen dem Verstehen der Textbedeutung und dem Vorwissen / Kontext besteht.
Wissenschaftstheoretisch wurde das Verstehen lange Zeit als spezifische Methode der Geisteswissenschaften aufgefasst und dem Erklären gegenübergestellt. Diese Ansicht ist inzwischen aufgegeben worden. In einer sehr allgemeinen Verwendung schließt der Ausdruck „verstehen“ die Fähigkeit ein, eine entsprechende Erklärung zu geben. Die Begriffe des Verstehens und des Erklärens bedingen sich hierbei also gegenseitig: Etwas erklären heißt, es verständlich zu machen; etwas verstehen heißt, es erklären zu können. Versucht man nun den Begriff einer bestimmten Form des Verstehens genauer zu analysieren, so kann dies erfolgen, indem man die Art und Weise der geforderten Erklärung präzisiert. Ein Verstehen bestimmter Naturzusammenhänge wird beispielsweise dann vorliegen, wenn es möglich ist, eine angemessene kausale Erklärung zu geben.

Literatur: Fellmann, Ferdinand: Symbolischer Pragmatismus. Hermeneutik nach Dilthey. Reinbek: Rowohlt 1991. – Grondin, Jean: Einführung in die philosophische Hermeneutik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1991. – Kutschera, Franz von: Grundfragen der Erkenntnistheorie. Berlin/New York: de Gruyter 1981. – Scholz, Oliver R.: Verstehen und Rationalität. Untersuchungen zu den Grundlagen von Hermeneutik und Sprachphilosophie. Frankfurt: Klostermann 1999.
 

Referenzen:

Videohermeneutik


Artikel zuletzt geändert am 30.08.2012


Verfasser: KSH


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