Lexikon der Filmbegriffe

Hochkantformat

engl.: upend cinema

Fast alle Filmformate sind Breitformate, die Unterlänge des Bildes ist größer als die Bildhöhe. Das ist sicherlich mit der Architektur des Kinos zu begründen, weil bei Hochkantformaten der zugängliche Raum im Zuschauersaal deutlich kleiner wird. Es hat im Verlauf der Filmgeschichte nur wenige Versuche gegeben, die dominanten Breitformate aufzugeben. So nutzt Ernst Lubitsch in Filmen wie Sumurun (1920) gelegentlich Masken, um Bilder in einigen Sequenzen hochkant zu stellen und so eine unerhörte visuelle Dynamik zu entfalten. Als eigenes Verfahren wurde der Hochkantfilm von dem bulgarischen Techniker und Tüftler Stefan Lovinescu zwischen 1919 und 1921 in Bukarest in einem eigens dafür errichteten Kino vorgestellt; die Leinwand war zum Zuschauerraum hin schräggestellt, die Sitze deutlich nach hinten in eine Art Liegeposition gekippt. Nach einem Kinobrand wurde das Verfahren eingestellt, weil es nur äußerst wenige Filme gab, die eigens für das Lovinescu-Verfahren hergestellt werden mussten (die Filme gelten bis auf ein Vampirfilm-Fragment – Domnul Draculescu, 1921 – als verloren). Hochkantformate blieben seitdem äußerst selten, und selbst in Videoinstallationen, die Projektionsformate elektronisch variieren könnten, sind sie bis heute (Stand: 2007) kaum je erprobt worden.

Referenzen:

dynamisches Quadrat


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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