Lexikon der Filmbegriffe

Magnum Photos

1947 wurde Magnum Photos als erste unabhängige Foto- und Fotografenagentur von Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David Seymour und George Rodger in Paris gegründet. Der Anekdote folgend geht der Name auf eine übergroße Flasche Champagner zurück, die anlässlich der Gründung getrunken wurde. Es war das Ziel der Agentur, als unabhängige Kooperative humanistisch gesinnter Photographen der Macht der Bildmedien (insbesondere der illustrierten Presse) entgegenzutreten: Noch im unmittelbaren Eindruck des Zweiten Weltkriegs sollte das Moralische des Handwerks – Verantwortungsgefühl und Respekt des Fotografen vor den Darstellten – als kommunikationsethische Forderung der Presse gegenüber geltend gemacht werden. Zudem setzte die Agentur ein Urheberrecht für ihre Fotografien durch (Nennung des Urhebers, Verbot der Bildbeschneidung, Rechteverbleib beim Photographen resp. der Agentur). Neben Einlagen der Mitglieder (400 US-$) verblieben 40% der Einnahmen aus den verkauften Bildern (bzw. den Abdruckrechten) bei Magnum. 1988 wurde eine Kulturabteilung gegründet, die seitdem internationale Buch- und Ausstellungsprojekte realisiert. Demokratisch gestaltete Abläufe, die kollektive Entscheidung darüber etwa, ob jemand Mitglied der Agentur werden kann – sind bis heute Magnum-Standards geblieben. Das Archiv, das die Arbeiten der Mitglieder und weniger anderer enthält, umfasst inzwischen mehr als 1 Million Bilder; 350.000 sind online abrufbar. Heute hat die Agentur Niederlassungen in Paris, London, New York und Tokio; ihr gehören 46 Photographen und 16 Korrespondenten an (Stand: 2006); die Magnum-Bilder gehören nach wie vor dem Fotojournalismus zu. Zu den Mitgliedern gehörten und gehören u.a. René Burri, Raymond Depardon, Thomas Höpker, Josef Koudelka, James Nachtwey, Sebastiao Salgado und Alex Webb. Seit kurzem werden Filmprojekte der Magnum-Mitglieder als Magnum in Motion online zugänglich gemacht. Außerdem stellte die Berlinale 2007 unter dem gleichen Titel 33 Filme vor.

Weitere Information: www.magnumphotos.com/archive/.

Literatur: Magnum? Einf. v. Michael Ignatieff. London: Phaidon Press 2000. – Manchester, William: Zeitblende. Fünf Jahrzehnte Magnum-Photographie. München: Schirmer-Mosel 1989.


Artikel zuletzt geändert am 07.02.2012


Verfasser: JH


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