Lexikon der Filmbegriffe

Schauwerte

Schauwerte sind nicht funktional für die Erzählung, sondern behaupten ihr gegenüber eine gewisse Selbständigkeit. Sie treten so weit hervor, dass sie zum Zentrum der Aufmerksamkeit werden können und die story ihnen gegenüber in den Hintergrund tritt. Wie die Großaufnahme oder wie die Tänze des Musicals frieren sie den Fortgang der Erzählung zugunsten der dargebotenen visuellen Attraktionen ein. Die Bauten und Kostüme, die Massenszenen und Kämpfe gehören zu den auffällig freigesetzten Elementen, mit denen z.B. der Antikfilm vor allem die Schaulust anspricht und denen er konsequent einen Raum gibt, der ganz von ihnen beherrscht wird. Schauwert genießen auch die jeweils neuen technischen Möglichkeiten des Mediums, die historisch ja meist genutzt wurden, um seine Attraktivität zu steigern. Mit dem ersten Cinemascope-Film The Robe wird die Verwendung der verschiedenen Breitwand-Formate fast ein Muss; bald kommt das noch spektakulärere 70mm-Filmmaterial hinzu; auch der stereophone Magnet-Ton wird schon bald genutzt; Farbe ist seit den 1950ern obligatorisch. Neben dem Ausstellen der technischen Opulenz der Inszenierung sind es die vorfilmischen Qualitäten der Ausstattung und Aktion, die die Schauwertigkeit von Filmen ausmachen. Darum auch sind Motivgruppen wie Zirkus-, Revue-, Reise- oder Piratenfilm, aber auch der Monumental-, der Antik- und der Historienfilm und nicht zuletzt der Actionfilm prädestiniert dazu, Inszenierung und Ausstattung als Qualitäten für den Zuschauer auszubreiten, die über die Geschichte hinaus, die auch diese Filme erzählen, eine Besichtigung lohnen.
 

Referenzen:

Exklamation

Filmgeschichte: Attraktion und Narration

Kino der Attraktion vs. Kino der Narration

Massenszene

sensation scene

Spektakel


Artikel zuletzt geändert am 24.08.2014


Verfasser: RR CA


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