Lexikon der Filmbegriffe

Kulturkontrast

Motiv im Dokumentarfilm und in unterschiedlich gelagerten Genres des fiktionalen Films. Im Zentrum stehen Angehörige zweier verschiedener Kulturen (eines oder mehrerer Länder), die aufeinander prallen und sich, aus mangelndem Verständnis füreinander, in Konflikte verstricken. Das Motiv kann in so verschiedenen fiktionalen Genres wie Komödie (Neobychainye priklyucheniya mistera Vesta v strane bolshevikov / Die seltsamen Abenteuer des Mr. West im Lande der Bolschewiki, 1924, Lev Kuleshov), Melodrama (Walkabout, 1971, Nicolas Roeg; Lost in Translation, 2003, Sofia Coppola), Musical (Madama Butterfly, 1954, Carmine Gallone), Kriminalfilm (Year of the Dragon, 1985, Michael Cimino), Reporterfilm (The Year of Living Dangerously, 1982, Peter Weir), Western (A Man Called Horse, 1969, Elliott Silverstein) etc. auftauchen. Auch die Kombinationsmöglichkeiten mit anderen thematischen Motiven sind breit gefächert und reichen von Minoritätsproblemen in multikulturellen Gesellschaften und historischen Konflikten des Kolonialismus über Gastarbeiterwanderungen und Emigration bis hin zum Exotismus und der Liebesgeschichte über kulturelle Barrieren hinweg. Manche Genres kennen die Figur des Grenzgängers oder Kulturwechslers. Für manche Filmbewegungen, wie das Cinéma Beur, ist der Kulturkontrast geradezu konstitutives Element, so wie auch nicht nur der kolonialistische Abenteuerfilm von der Begegnung unterschiedlicher Kulturen lebt. Dramaturgisch dient die Konfrontation von Kulturen entweder als Markierung der Fallhöhe oder der Unzugänglichkeit ganzer Milieus oder aber als Mittel, an der Differenz der eigenen zur anderen Kultur, subjektives Werturteil, Reflexion über Lebensentwürfe und ähnliches auszulösen.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB JH


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