Lexikon der Filmbegriffe

Lesben (1)

Dass lesbische Figuren im Kino äußerst selten vorkommen, hat vor allem drei Gründe. Zum einen natürlich die jahrhundertealte Ablehnung der Homosexualität durch die westliche (heterosexuelle) Gesellschaft. Zum anderen meint die Alltagsvorstellung von Homosexualität bis heute vor allem die männliche Homosexualität und blendet die weibliche Variante weitgehend aus. Drittens dominiert in den wenigen Darstellungen von Lesben der heterosexuell-männliche Blick, der lesbische Sexualität als defizitär schildert oder als prickelnde Variante, zu der sich Männer hinzugesellen und sie dadurch überhaupt erst aufwerten und vervollkommnen sollen (kaum ein heterosexueller pornografischer Film kommt ohne „lesbische Nummern“ aus). Ernstzunehmende Darstellungen von Lesben, die über die abgedroschenen Klischees des Mannweibs auf dem Motorrad, der grotesken Täterin oder pathologischen Killerin hinausgehen, sind oft an die Existenz lesbischer Regisseurinnen gebunden, die seit den 1980er und 1990er Jahren – vor allem im Rahmen des queer cinema – den heterosexuellen Phantasien realistische Entwürfe lesbischer Lebenslogiken und Figuren entgegenstellen.

Beispiele: Mädchen in Uniform (Deutschland 1931, Leontine Sagan); The Children's Hour (USA 1961, William Wyler); The Killing of Sister George (USA 1968, Robert Aldrich); The Hunger (Großbritannien 1982, Tony Scott); Pas très catholique (Frankreich 1993, Tonie Marshall); Boys Don't Cry (USA 1999, Kimberly Pierce).

Literatur: Cairns, Lucille: Sapphism on screen. Lesbian desire in French and Francophone cinema. Edinburgh: Edinburgh University Press 2006. – Darren, Alison: Lesbian film guide. London [...]: Cassell 2000. - White, Patricia: Uninvited. Classical Hollywood cinema and lesbian representability. Bloomington [...]: Indiana University Press 1999.

Referenzen:

Coming-Out

drag / dragqueen

dykesploitation

Homoerotik

Homosexualität und/im Film: Festivals

Queer Film Studies


Artikel zuletzt geändert am 24.01.2012


Verfasser: PB


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