Lexikon der Filmbegriffe

Mehrfachrolle

engl.: multiple roles

Während es im Theater höchst kompliziert ist, einen Schauspieler in mehreren Rollen auftreten zu lassen, ist es im Film ein Leichtes, einen Akteur sogar mehrfach im Bild erscheinen zu lassen. Weil es dabei meist darum geht, die Verschiedenheit der Rollen auszustellen, ist ein derartiges Verfahren die vielleicht unmittelbarste Möglichkeit, die Virtuosität und Brillanz des Schauspiels auszustellen, die das Kino bereithält. Allerdings ist sie fast immer von einem komischen, gelegentlich bedrohlichen Seiteneffekt begleitet, setzt sie den Zuschauer doch in klare Distanz zum Dargestellten (darum auch sind Doppelrollen oft als Zwillingsrollen motiviert, Mehrfachrollen als Familienähnlichkeiten).
Bis heute gelten die 27 Rollen, die Rolf Leslie in der Queen-Victoria-Biographie Sixty Years of a Queen (1913) gespielt hat, als Mehrfachrollen-Rekord; gefolgt ist er von Lupino Lane, der 24 Rollen in der Komödie Only Me (1929) spielte. Bekannter sind die acht Mitglieder einer Adelsfamilie, die Alec Guiness in Kind Heart and Coronets (1949) gespielt hat. Der Darsteller, der wohl die meisten Mehrfachrollen gespielt hat, ist Peter Sellers: sechs in Soft Beds and Hard Battles (1973), je drei in The Mouse That Roared (1959) und Stanley Kubricks Dr. Strangelove (1964). Andere Beispiele sind Paul Muni in Seven Faces (1929, 7 Rollen), Alan Young in Gentlemen Marry Brunettes (1955, 4 Rollen), Deborah Kerr in The Life and Death of Colonel Blimp (1943, 3 Rollen), Fernandel in Le Mouton à cinq pattes (1954, 6 Rollen) oder Jerry Lewis in Family Jewels (1965, 7 Rollen).

Referenzen:

Doppelrolle

Zwillinge


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: CA


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