Lexikon der Filmbegriffe

Minimalismus II: Realismus

Eine extreme Spielart des realistischen Films, der die technische Brillanz der Darstellungsmittel des Mediums zurückzudrängen und durch eine unvermitteltere Annäherung des Films an die Materialität der Welt und an die physisch-psychische Präsenz der Darsteller zu ersetzen sucht. Mit oft spartanischen Mitteln, dem weitestgehenden Verzicht auf Strategien der Auflösung resp. der Montage wird eine Konzentration auf das Dargestellte angestrebt, die die Tatsache, dass es im Kino stattfindet, zurückdrängt. Angestrebt ist eine ursprünglich wohl religiös motivierte asketische Dürftigkeit, die als Bedingung einer kontemplativen Vertiefung in das Dargestellte angesehen wird. Carl Theodor Dreyer und Robert Bresson gelten als die prägnantesten Vertreter eines derartigen Realismus. Dazu gehören aber auch die frühen Filme Andy Warhols oder Werner Nekes‘ 60-Minüter Kelek (1968), der in langen Einstellungen mit einem nur locker gefügten Erzählrahmen den Zuschauer zu einer schauenden Meditation über die Dinge selbst zu zwingen sucht. Auch Chantal Akermans in unbeweglichen Einstellungen vorgetragener Film Jeanne Dielmann, Quai du Commerce 23, 1080 Bruxelles (1976) ist dieser Richtung zuzurechnen. Minimalistische Filme finden sich auch im Dokumentarischen (wie z.B. Ten, 2002, Abbas Kiarostami, der aus zehn im Taxi gedrehten, visuell minimalisierten Sequenzen besteht).

Referenzen:

Minimalismus I: Experimentalfilm

slow cinema


Artikel zuletzt geändert am 09.03.2014


Verfasser: HJW


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