Lexikon der Filmbegriffe

Minimalismus I: Experimentalfilm

engl.: minimal cinema

Eine gewisse, dem „strukturalen Film“ verwandte Spielart des abstrakten Films resp. des Experimentalfilms, in der durch die Filme materiale Qualitäten des Films selbst erkennbar gemacht werden sollen, nennt sich minimal cinema – gemeint ist die extreme Rücknahme des Darstellungsaspekts zugunsten eines reflexiven Bezugs der Filme zur Tatsache „Film“ selbst. Ein Beispiel ist George Landows (d.i.: Owen Land) Kurzfilm Film in Which There Appear Sprocket Holes, Edge Lettering, Dirt Particles, Etc. (1966), der seinen Inhalt im Titel beschreibt ebenso wie der zwei Jahre später entstandene The Film That Rises to the Surface of Clarified Butter (1968). In einem etwas weiteren Siwdnne wird im experimentell-minimalistischen Kino die Verwendung künstlerischer und technischer Eingriffe auf ein Minimum reduziert, so dass am Ende von einer „Ästhetik des Minimalismus“ gesprochen werden kann, deren Funktion in einer bestimmten Art von Realismus liegt. Filme dieser Art haben die Tendenz, zum Beispiel Kamerabewegungen oder Schnitt weitgehend oder ganz zu vermeiden. Außerdem tritt der Filmemacher oder die Filmemacherin ganz in den Hintergrund und signalisiert im Film selbst so wenig Präsenz wie irgend möglich. Ähnlich wie in der Minimal Art - einer Tendenz in der amerikanischen Plastik und Malerei der 1960er Jahre - versuchen die Minimalisten, die Darstellung auf möglichst wenige formale Darstellungsmittel einzuschränken.

Weitere Beispiele: Eat (USA 1963, Andy Warhol); La vache qui rumine (Frankreich 1970, Georges Rey); Dirt & Venus (Österreich 1991, Dietmar Brehm).

Literatur: Meyer, James: Minimalism. Art and polemics in the sixties. New Haven [...]: Yale University Press 2001. – Stemmrich, Gregor (Hrsg.): Minimal art, eine kritische Retrospektive. Dresden/Basel: Verlag der Kunst 1995.

Referenzen:

Minimalismus II: Realismus

struktureller Film


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: PB AS


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