Lexikon der Filmbegriffe

mobiles Kino

engl.: travelling cinema

(1) Bevor es ortsfeste Kinos gab und bevor die großen Unternehmerfamilien des Jahrmarkts als Kinobetreiber auftraten, gab es in ganz Europa und Amerika ein breites Bedürfnis nach Filmveranstaltungen, die oft in Kombination mit anderen Formen der Unterhaltungskunst dargeboten wurden. Bis Ende der 1900er Jahre, als die meisten Städte feste Kinos hatten, ja, auf dem Lande bis in den ersten Weltkrieg hinein gehörte das Kino zu den Jahrmarktsattraktionen. Kleinere Veranstalter zeigten ihre Filme in Stadthallen, Ratssälen, Music-Halls, Hotels, Cafes und ähnlichen Orten, sogar in Bade-, Armen- und Krankenhäusern und bereisten oft feste Routen, so dass sie die Orte ihrer Reise periodisch mit neuen Kino-Sensationen versorgen konnten. Manche Veranstalter traten sogar international auf. Von der Arbeit der reisenden Kinos der Frühzeit ist wenig erhalten geblieben – Anträge an die Stadtverwaltungen, wenige Programmzettel, gelegentliche Zeitungsberichte.

Jiři Menzels Film Bájecni muzi s klikou (dt.: Die wunderbaren Männer mit der Kurbel, aka: Die famosen Männer mit der Kurbel, CSSR 1978) erzählt die detailreiche Geschichte eines mobilen Kinos im Prag der Jahrhundertwende.

Archive: British Film Institute (die Sammlung von Mitchell & Kenyon).

(2) Nach dem zweiten Weltkrieg, als viele Kinos noch in Trümmern lagen, wurde mehrere Jahre das lokale Kino in Gaststätten, Hotelhallen und ähnlichem von reisenden Kinoveranstaltern betrieben. In Indien sind bis heute mehr als 30% der Kinos „Reisekinos“, die mit tragbaren Geräten Kinoveranstaltungen in kinofreien Orten anbieten.

(3) Von marginaler Bedeutung waren mobile Kinoanbieter, die nach dem Kinosterben der 1960er und frühen 1970er versuchten, politisch und ästhetisch anspruchsvolle Filme vor allem in die Dörfer zu tragen.

Referenzen:

Itinérama

Kinozug

Tonkinokoffermaschine

Zeltkino


Artikel zuletzt geändert am 08.02.2012


Verfasser: JH


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