Lexikon der Filmbegriffe

Sensation Seeking

dt. etwa: Streben nach optimalen Erregungs- und Aktivierungsniveaus

Die Untersuchung der Erregungsniveaus und der Interaktion zwischen gesuchten Niveaus und filmischen Angeboten ist eines der Teilgebiete der Untersuchung der physiologischen Effekte der Zuwendung von Zuschauern zu Medien; gemessen werden Hirnaktivität, Leitwiderstand der Haut, Pulsfrequenz u.ä. als Indikatoren des Erregungsniveaus.
In aller Regel werden erstrebte Erregungsniveaus und angebotene Medieninhalte, die als Modelle für Aneignungsmuster angesehen werden, miteinander korreliert. Zwar wird angenommen, dass Menschen generell versuchen, ein mittleres Erregungsniveau aufrechtzuerhalten und Unter- wie auch Überforderungen ausweichen. Allerdings ist klar, dass Jüngere höhere Erregungsniveaus als Ältere suchen, Frauen niedrigere als Männer. Das Auswahlverhalten Medieninhalten gegenüber legt eine Typologie von „Erregungssuchern“ nahe: (1) Im Fall der Thrill/Risiko-Suche (thrill and adventure seeking) werden riskante, hocherregende und angsterzeugende Inhalte bevorzugt wie z.B. Horrorfilme; (2) Im Falle der Suche nach Erfahrungserweiterung (experience seeking) wird Interesse für unbekannte Inhalte dominant; dann treten historische Stoffe, Reiseberichte, Darstellungen unbekannter Kulturen etc. ins Zentrum; (3) gelegentlich kommt es zur Suche nach Enthemmung (disinhibition seeking); gewisse Filme werden dann im Ausnahmefall wie Rauschmittel verwendet; (4) im Falle der Abneigung gegen Langeweile und Ungeduld (boredom susceptibility) wird die Rezeption auf schnelle Erfüllung der Informationsneugier abgestellt, Filme mit bekanntem Ausgang werden dann z.B. vermieden.
Meist wird zwischen zwei Typen von Erfahrungssuchern unterschieden: Low-Sensation-Seeker reagieren auf stark erregende Reize mit einer inneren Hemmung (darum werden sie oft auch reducer genannt); High-Sensation-Seeker dagegen entfalten hohe kortikale Aktivität (darum auch augmenters = dt. etwa „Vergrößerer“ genannt), was es ihnen gestattet, auch stärkere Erregungszustände zu tolerieren und zu kontrollieren.

Literatur: Mangold, Roland / Winterhoff-Spurk, Peter / Hamann, Gerhard F. / Stoll, Martin: Veränderungen des zerebralen Blutflusses bei der Rezeption emotionalisierender Filmausschnitte: Eine Pilotstudie. In: Medienpsychologie 10,1, 1998, S. 51-72. – Zuckerman, Marvin: Sensation seeking. Beyond the Optimal Level of Arousal. Hillsdale, N.J.: Erlbaum 1979. – Zuckerman, Marvin: Behavioral Expressions and Biosocial Bases of Sensation Seeking. Cambridge, England: Cambridge University Press 1994.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


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