Lexikon der Filmbegriffe

Drehbuch: Frühzeit

Anfangs war ein Autor eigentlich gar nicht notwendig. Viele Filme entstanden ohne jede schriftliche Planung oder nur nach rudimentären schriftlichen Aufzeichnungen. Es heißt noch von Griffith, dass er selbst ein so komplexes Werk wie Intolerance (1916) ohne jedes Drehbuch aus dem Kopf inszeniert habe. Stars wie Douglas Fairbanks und Charles Chaplin, die über eigene Studios verfügten oder derartige Freiheiten vertraglich zugesichert hatten, arbeiteten bis in die 1920er hinein mit kurzen Handlungsabrissen, die erst während des Drehs genauer ausgearbeitet wurden.
Aber es kamen schon früh Spielfilme mit Erzählungen auf, für die man Verfasser benötigte. Seit 1905 werden sie wenn auch sehr selten genannt. Um 1912 gab es in Filmzeitschriften Hinweise, wie man Drehbücher verfassen solle. Einen wirklichen Impuls gab die nicht nur in Frankreich spürbare Filmkunst-Bewegung: Wenn man anerkannte Literaten für die Herstellung von Drehbüchern gewinnen könnte, könnte man das kulturelle Renommé der Autoren auch für den Film einsetzen. Das erste in Deutschland bekannte Beispiel ist Paul Lindaus Drehbuch für Max Macks Der Andere (1913); prominent wurde Gabriele d‘Annunzios Arbeit für Cabiria (Italien 1914), wobei er aber lediglich einige Schrifttafeln konzipierte und wohl die Namen der Akteure festlegte – das eigentliche Skript stammte von Giovanni Pastrone, dem Regisseur des Films. Auch in den USA kam es bald zum Versuch, das Prestige von Autoren für den Film auszubeuten. Samuel Goldwyn startete 1919 einen Versuch, namhafte Autoren für sein Studio zu gewinnen (in der Tochterfirma Eminent Authors Pictures, Inc.); der Versuch musste aber bald wieder abgebrochen werden, weil die Filme „zu literarisch“ ausfielen. Erst im Verlauf der 1920er Jahre, spätestens mit dem Aufkommen des Tonfilms wurde der Drehbuchautor zu einem der Stamm-Mitarbeiter bei der Produktion eines Films. 
 

Referenzen:

Eminent Authors Pictures


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: AS HBi


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