Lexikon der Filmbegriffe

Mood-Management-Theorie

dt. manchmal: Erregungs-Management

Die Mood-Management-Theorie wurde 1988 von Dolf Zillmann vorgeschlagen. Sie geht davon aus, dass die Rezeption von Medien nicht nur Informationen vermittelt, sondern auch Gefühle stimuliert bzw. modifiziert. Zur Modellierung der Prozesse werden Annahmen der operanten Konditionierung herangezogen – dass Zuschauer z.B. bestimmte Programm- oder Sendeformate wiederholt aufsuchen, wenn sie bereits mit jenen umgegangen sind, dass also Erfahrungen, mittels der Rezeption schlechte Gefühlslagen zu verbessern (im Sinne einer negativen Verstärkung) oder positive Gefühlslagen zu intensivieren (positive Konditionierung), in die Wahl neuer Angebote einfließen können. Der Annahme Zillmanns folgend, unterliegt die Rezeption von Filmen dem Gesetz der „automatischen Homöostase“: Die Stimmung des Rezipienten gleicht sich der Stimmung des Films an. Vereinfacht gesprochen: Fröhliche Inhalte induzieren fröhliche Stimmungen beim Zuschauer, traurige Filme machen traurig. Dauer des Konsums, „Intensität des Mediums“, Intensität der Zuwendung, Ähnlichkeit des Inhalts und der Situation des Zuschauers, „Effektivität des Mediums“ (dass der Film tatsächlich Spannung, Erregung oder Entspannung erzeugt) beeinflussen den weitestgehend unbewussten und automatisierten homöostatischen Angleichungsprozess, der während der Rezeption stattfindet. Empirisch konnte nachgewiesen werden, dass z.B. schlechte Laune, die durch Unterstimulierung (Langeweile) ausgelöst war, durch den Konsum von spannenden, unterhaltenden Stimuli effektiv vermindert werden; stressinduzierte schlechte Laune wiederum kann durch den Konsum von entspannenden, unterhaltsamen und wenig aufregenden Stimuli effektiv vermindert werden. Das implizite Ziel der Rezeption ist ein innerer Spannungsausgleich (excitatory homoestasis) – angestrebt wird ein mittleres Erregungsniveau (oder eine wiederholte Erzeugung belohnender, angenehmer Zustände = Maximierung von Gratifikationen); jedenfalls wird versucht, Aversionen zu minimieren. Sowohl die Wahl geeigneter Stimulantien wie auch die Steuerung des Umgehens mit einem Film während der Rezeption folgt einem wiederum weitestgehend unbewußten Management der eigenen Haltung dem Angebot gegenüber: Ein positiver Filmausgang z.B. wird umso stärker positiv erlebt, je mehr man im Film mitleidet, was wiederum vom Rezipienten beeinflußt werden kann.
Dem Ansatz ist vorgehalten worden, dass die alleinige Zentrierung der Zuschauer-Gratifikation auf die Dimension der „Erregung“ eine zu starke Vereinfachung der Rezeptionsprozesse darstelle und von dramaturgischen, aber auch technischen Qualitäten des Stimulus absehe (Intensität der empathischen Teilhabe an Figuren, Unsicherheit des Geschehens, Wahrscheinlichkeit der Gefährdung des Helden etc.; Ton-Montagen, Dynamik der Geschehens-Entwicklung, Mehrdeutigkeiten der Darstellung u.a.m.). Und er könne die Attraktivität von negativen Medienreizen wie Melodramen, Horrorfilmen und Gewaltszenarien nicht hinreichend erklären.

Literatur: Bryant, Jennings/ Zillmann, Dolf: Using Television to Alliviate Boredom and Stress. Selective Exposure as a Function of Induced Excitational states. In: Journal of Broadcasting, 1984, S. 1-20. – Zillmann, Dolf: Mood management. Using entertainment to full advantage. In: Communication, social cognition and affect. Ed. by L. Donohew, H.E. Sypher & E.T. Higgins. Hillsdale: Erlbaum 1988, S.147-171. – Zillmann, Dolf: Mood Management in the Context of Selective Exposure Theory. In: Communication Yearbook 23, 1999, S. 123-145.


Artikel zuletzt geändert am 31.07.2011


Verfasser: HJW


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