Lexikon der Filmbegriffe

Scena per angolo

Fernandino Galli Bibiena führte 1711 in seinem Werk „Architettura civile“ zum ersten Mal die „Winkelbühne“ (scena di angolo) ein. Dabei handelt es sich um eine schräg einzusehende Raumkomposition, die ausgehend von einer vorgezogenen Gebäudeecke über zwei Fluchtpunkte entwickelt wurde und sich in diagonaler Richtung scheinbar zu weitesten Raumfolgen hin öffnete. Dieserart stand der auf der Bühne offenkundig nur fragmentarisch dargestellte Weltausschnitt scheinbar in unmittelbarer und kontinuierlicher Beziehung zum übergeordneten Raum kosmischen Ausmaßes. Der Zuschauer wurde durch die raffinierte perspektivische Illusionierung scheinbar mit in die vorgestellte Welt einbezogen. Die doppelte perspektivische Ausrichtung gestattete es dem Betrachter nicht, den Raum abzuschließen, er schien sich endlos fortzusetzen. Im Film wird das Prinzip gelegentlich mittels der Organisation von Bauten über Eck angewendet – auch dann sind die angrenzenden Räume hinsichtlich Ausdehnung und Fortsetzung verunklart.

Literatur: Durand, Carroll R.: The evolution and actualization of the scena per angelo. High baroque scenography of the Galli Bibiena. Ann Arbor, Mich.: UMI 1993. Zuerst als Ph.D. Thesis, Medford, Mass., Tufts University 1983. - Galli Bibiena, Ferdinando: L'architettura civile. Rist. anastatica [d. Ausg.] Bologna, Monti, 1711. [Bologna]: Forni 1989.


Artikel zuletzt geändert am 06.03.2013


Verfasser: EP


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