Lexikon der Filmbegriffe

Doppelkodierung

engl.: double-coding

Wenn ein Kunstwerk verschiedene Publika auf verschiedene Art und Weise anspricht und auf zwei verschiedenen Ebenen lesbar und verstehbar ist, womöglich zwei Deutungshorizonte anspricht, spricht man von Doppelkodierung. Die Bezeichnung wird oft auf Kinderfilme und -programme angewandt, die auch Erwachsene ansprechen. Wenn also Serien wie die klassischen Bugs-Bunny-Filme oder neuere Serien wie Animaniacs (1993-98) und The Simpsons (1989ff) von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen rezipiert werden, dann deshalb, weil Erwachsene ganz eigene Anspielungen, intertextuelle Bezüge oder allegorische Übertragungen angeboten bekommen, die für das kindliche Vergnügen an den Filmen keine Bedeutung haben. Ähnlich wird auch dem postmodernen Werk konzediert, dass es auf der einen Ebene Stoffe und Formen des populären Erzählens ausagiert, auf einer zweiten Ebene aber nicht nur experimentelle Techniken des Bedeutung-Erzeugens ausagiert, die eigene Aufmerksamkeit auf sich ziehen können (wie die Improvisationsteile im Jazz), sondern auch Themen der postmodernen Philosophie anspricht, die aber nur in einer Lektüreweise aktualisiert werden können, die sozusagen „hinter“ die populäre Kulisse der Erzählung zu blicken versucht. Beispiele sind Filme von Atom Egoyan, aber auch die Parabeln von Fernando E. Solanas. 
 

Referenzen:

Mehrdeutigkeit


Artikel zuletzt geändert am 03.08.2011


Verfasser: CA


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