Lexikon der Filmbegriffe

Sadomasochismus

Sadismus und Masochismus wurden zuerst von Richard von Krafft-Ebing in seiner Psychopathia Sexualis (1876) im Rückbezug auf literarische Werke der beiden Autoren D.A.F. Marquis de Sade und Leopold Ritter von Sacher-Masoch als sexuelle Perversionen definiert. In der Sexualpathologie bezeichnet Masochismus dabei eine Perversion, bei der sexuelle Lust (nur) in der eigenen Demütigung oder körperlichen Verletzung empfunden wird, Sadismus eine solche, bei der die sexuelle Lust (nur) in der körperlichen Verletzung oder Demütigung des Gegenübers empfunden wird. Mit dem Begriff Sadomasochismus werden sowohl Kombinationsmöglichkeiten aus beiden Verhaltensdispositionen in ein- und derselben Person, als auch der komplementäre Charakter einer Interaktion zweier solchermaßen disponierter Personen bezeichnet. In der erweiterten Definition (Freud u.a.) wird Sadismus mit Aktivität, Masochismus mit Passivität verknüpft und dem männlichen bzw. weiblichen Geschlechtscharakter zugeschrieben. In Filmen erscheint die sadomasochistische Interaktion häufig nicht nur im engeren sexuellen Kontext als Form der Psychopathie, sondern wird verknüpft mit allgemeineren (politischen) Gewalt-Verhältnissen und Systemkritik. Das Thema avanciert dann zur politischen Allegorie und kann Ausdruck eines spezifischen politischen Klimas sein.

Beispiele: Belle de Jour (Frankreich/Italien 1966, Luis Buñuel); Il Portiere di notte (Italien 1974, Liliana Cavani); Salò o le 120 giornate di Sodoma (Italien 1975, Pier Paolo Pasolini); Querelle (BRD 1982, Rainer Werner Fassbinder); Topâzu (aka: Tokio Dekadenz, Japan 1992, Ryu Murakami); De Fögi esch en Souhond (Schweiz/Frankreich 1998, Marcel Gisler).

Literatur: Bick, Ilsa J.: „That hurts!“ Humor and sadomasochism in Lolita. In: Journal of Film and Video 46,2, 1994, S. 3-18. – Gabbard, Krin: The circulation of sadomasochistic desire in the Lolita texts. In: Journal of Film and Video 46,2, 1994, S. 19-30. – Stiglegger, Marcus: Sadiconazista. Faschismus und Sexualität im Film. St. Augustin: Gardez!-Vlg. 1999.


Artikel zuletzt geändert am 19.07.2011


Verfasser: UK


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