Lexikon der Filmbegriffe

Pin-Up / Pin-Up-Fotografie

Die Hochphase der pin-ups lag in der Zeit zwischen 1930 und 1960. Pin-Up-Fotos sind Bilder von meist wenig oder unbekleideten jungen Frauen, die in Pastell, Wasserfarbe oder Öl gemalt oder photographischer Herkunft sind und die als Plakate oder Kalenderblätter verbreitet wurden. Der Begriff deutet darauf hin, dass sie aufgehängt oder mit Reißzwecken „angepinnt“ wurden. Die Haltung des dargestellten Modells muss unbedingt sinnlich-verführerisch sein, es wird vielfach in kleinen intimen Szenen gezeigt, die Kleidung ist spärlich und aufreizend, oft adressiert das Modell den Betrachter visuell. Vorläufer des Pin-Up sind das Gibson Girl in den USA (1887), die Art-Nouveau-Poster von Alphonso Mucha und Jules Chéret Frankreich oder die bis heute prototypischen Postkarten des Österreichers Raphael Kirchner. Das von Angelo Asti entwickelte Glamour-Girl-Format wurde in den 1920er Jahren von der Filmindustrie aufgegriffen. Zeitschriften wie Esquire (die konzeptionell den späteren Playboy vorbereitete), Cosmopolitan oder The Saturday Evening Post dienten als Foren, auf denen Pin-Up-Bilder der Film-Starlets von namhaften Photographen wie Alberto Vargas verbreitet wurden. Die Stileinflüsse des Art Déco blieben lange spürbar. Im Zweiten Weltkrieg erlebte die Kalenderindustrie einen ungeahnten Aufschwung, und es entstand die nose art: Pin-Up-Motive wurden auf Kampfflugzeuge und Bomber aufgemalt. Die Schauspielerin Betty Grable war die vielleicht bekannteste Pin-Up-Schönheit, und sie spielte als Pin-Up Girl (1944) diese Rolle sogar im Spielfilm. In den 1950ern wurden die Bilder expliziter, und die 1953 veröffentlichten Aktaufnahmen Marilyn Monroes machten bis dahin ungekannte Nacktheit zu einem Pin-Up-Motiv. Mit Mel Ramos kehrte in den 1960ern die Pop Art in die Pin-Up-Kunst ein. Die Popularität der pin-ups ist bis heute ungebrochen, wie man den berühmten Pirelli-Kalendern ansehen kann. Und dass die Bond-Girls auf den Inszenierungsstil viel älterer Darstellungen der erotischen Bildnerei zurückverweisen, dürfte evident sein.

Literatur: Michael Bhatty: Geschichte und Vermarktung der Hollywood-Glamour-Photographie. Frankfurt [...]: Lang 1997. – Jeffrey L. Ethell and Clarence Simonsen: The history of aircraft nose art: WWI to today. Osceola, Wisc.: Motorbooks International 1991. – Charles G. Martignette / Louis K.Meisel: The Great American Pin-up. Köln: Taschen 1996.


Artikel zuletzt geändert am 27.07.2011


Verfasser: HJW


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