Lexikon der Filmbegriffe

Drehbuch: Frühgeschichte (USA)

In den ersten Jahren des neuen Mediums Film wurden mitunter Texte aus anderen Medien als „Drehbuch“ verwendet. So drehte man etwa Nachstellungen berühmter Boxkämpfe nach Zeitungsberichten. Für die Verfilmung von Theaterstücken, die zunächst nur aus einer oder mehreren kurzen Szenen bestand, nahm man die entsprechenden Theaterstücke selbst zu Hand. Schon in den ersten Jahren nach Erfindung des Films war man auf der Suche nach geeigneten Ideen. Diese wurden auf wenigen Seiten niedergeschrieben. Bereits 1897 gründete Biograph ein erstes Script Department, das sich mit der Auswahl geeigneter Filmstoffe beschäftigte.
Die frühesten erhaltenen Drehbücher, die über ein- bis zweiseitige Filmideen hinausgehen, stammen aus dem Jahr 1904. Formal sind sie von Theaterstücken auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. D.h., diese Texte beinhalten auch Dialoge. Um 1909 wurden Drehbücher detaillierter. Das erste „fully developed American screenplay“ (Loughney) stammt von der auch als Schauspielerin bekannten Gene Gauntier. Für From the Manger to the Cross (1912), einer Verfilmung des Lebens Jesu, verfasste sie das entsprechende Drehbuch. 1912 beginnt der Produzent und Regisseur Thomas Ince, der Drehbuchentwicklung mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. Das von ihm mit Autoren wie C. Gardner Sullivan entwickelte sogenannte Continuity Script wird zur Blaupause für den Film. Zu dieser Zeit beginnt auch das „Scenario Fever“, Drehbuchschreiben wird zum Volkssport, mit dem sich zahlreiche ausgeschriebene Preise gewinnen lassen. Das Fieber endet mit der Etablierung des Studio Systems und der festen Anstellung von Drehbuchautoren Ende der 1910er Jahre.
Namentlich genannt wurden Drehbuchautoren seit 1912. In den 1910er und 1920er Jahren findet man Filme sogar Drehbuchautoren zugeordnet. Nach dem Titel des Films heißt es dann „by“ und es folgt der Name des Autors, unabhängig davon, ob es sich um eine Adaption oder ein Originaldrehbuch handelt. Die Drehbuchautorin Frances Marion war in den 1910er und 1920er Jahren so bekannt wie die Stars, für die sie schrieb.
Mit dem Tonfilm findet das Drehbuch seine (beinahe) endgültige Form, die des Master Scene Scripts, in dem nicht alle Kameraeinstellungen genau festgelegt sind. Formal unterscheiden sich Drehbücher der späten Stummfilmzeit von frühen Tonfilmdrehbüchern jedoch kaum. 

Literatur: Loughney, Patrick. From Rip Van Winkle to Jesus of Nazareth: thoughts on the origin of the American screenplay. In: Film History 9,3, 1997. – Staiger, Janet: Dividing Labor for Production Control: Thomas Ince and the Rise of the Studio System. In: Cinema Journal 19,2, Spring 1979. – Stempel, Tom: FrameWork. A History of Screenwriting in the American Film. New York: Syracuse University Press 2000. – Tieber, Claus: Schreiben für Hollywood. Das Drehbuch im Studio System. Münster: Lit Verlag 2008.
 

Referenzen:

Eminent Authors Pictures

Master-Scene-Script


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: CT


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