Lexikon der Filmbegriffe

Mensch-Maschine-Problematik

Motiv in nichtfiktionalen und fiktionalen Filmen, das dem gilt. In nicht-fiktionalen Filmen geht es häufig um die Veränderung des Verhältnisses des Menschen zur Maschine – als Folge der Mechanisierungs- und Automatisierungsprozesse in der industriellen Produktion. Hier bietet die vermehrte Substitution menschlicher Arbeitskraft durch die Maschine, die häufig in die Arbeitslosigkeit führt, Anlass zur kritischen Reflexion der wirtschaftlichen Modernisierung, Produktivitäts-, Effizienz- und Profitsteigerung in den Industriegesellschaften.
Im fiktionalen Film erscheint der Konflikt zwischen Mensch und Maschine häufig als direkter Antagonismus, der sich bis zur Revolte der Technik steigern kann (Filme wie Fritz Langs Metropolis, Deutschland 1926, und Charlie Chaplins Modern Times, USA 1936, zeigen die Maschine als dominante und repressive Taktgeber, denen sich die Menschen bedingungslos unterwerfen müssen). Die Maschine ist in diesem Verständnis kein Instrument, das dem Menschen dient und ihm das Dasein erleichtert, sondern eine Physis und/oder Psyche schädigende Größe.
Als Roboter oder Maschinenmensch tritt sie in direkte Gegnerschaft zum Menschen. In neueren Science-ficition-Filmen treten Mensch-Maschinen-Hybride als Cyborgs auf, eine Sonderform künstlicher Menschenwesen, die übermenschliche Kräfte haben und gleichzeitig spezifische Defizite aufweisen, die ihren Maschinencharakter unterstreichen. Zu den Beispielen gehören Robocop (USA 1987, Paul Verhoeven) über ein halbmechanisches Mischmenschenwesen, das aber gerade deshalb praktisch unverletzlich ist, oder Strange Days (USA 1994, Kathryn Bigelow), in dem es um die Aufzeichnung von Erfahrungen – insbesondere Angst- und Todeserfahrungen – geht, die mittels einer Magnetresonanztechnik auf ein Empfängergehirn übertragen werden können, so dass die Individualität des Erfahrens als Anthropinum verlorengeht.


Artikel zuletzt geändert am 30.07.2011


Verfasser: UK


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