Lexikon der Filmbegriffe

Partisanen-Film

engl.: partisan film, resistance film

Spätestens seit dem zweiten Weltkrieg ist die Thematik von Widerstand und Partisanentum in vielen nationalen Kinematographien immer wieder bearbeitet worden. Zu den bekanntesten Beispielen gehören La Bataille du Rail (Frankreich 1946, René Clément), Die letzte Brücke (BRD 1954, Helmut Käutner), The Train (USA/Frankreich/Italien 1964, John Frankenheimer), Het Meisje met het rode Haar (Niederlande 1981, Ben Verbong). Vor allem die französische Résistance hat zu einer nicht nur in Frankreich verbreiteten populären Glorifizierung der Widerstandsbewegung gedient (eine Beschäftigung mit der historischen Tatsache der Kollaboration ist dagegen weitestgehend ausgeblieben). Eigene Aufmerksamkeit verdient die filmische Darstellung der italienischen Resistenza (in Filmen wie Roberto Rossellinis Roma Città aperta, 1945, Paisà, 1946, und Luigi Comencinis Verfilmung von Carlo Cassolas Roman La Ragazza di Bube, 1963). Im jugoslawischen Film ist der Motivkreis des Partisanenkampfes ein Schlüsselmotiv der nationalen Filmproduktion überhaupt gewesen – es bildete das Zentrum der Gründungsmythen der Republik. Von größter Bedeutung ist das Partisanenthema auch im Kino der Ostblockstaaten gewesen. Angefangen von Iwan Pyrjews schon 1942 entstandenen Film Sekretar raikoma (dt.: Der Sekretär des Rayonkomitees) über Andrzej Wajdas Pokolenie (dt.: Eine Generation, Polen 1954) bis zu Elem Klimows Idi i smotri (dt.: Komm und sieh, 1985) ging es immer wieder darum, die Zeit des Hitler-Krieges aus der Sicht der Partisanen zu schildern. Partisanenkritische Filme (wie der Dokumentarfilm Partisans of Vilna, USA 1986, Joshua Waletzky) sind dagegen selten geblieben.
Der wohl bedeutendste Film über das Leben im Partisanenkampf ist Jean-Pierre Melvilles L‘Armée des Hombres (Frankreich 1968), in dem „Widerstand“ in einem sehr praktischen Sinne als moralische Lageschreibung verstanden wird, in der keiner der Beteiligten unschuldig bleiben kann, und als eine Lebensform, in der Ohnmacht, Verzweiflung und rigoroser Moralismus zusammenkommen.

Literatur: Dürr, Susanne: Strategien nationaler Vergangenheitsbewältigung. Die Zeit der Occupation im französischen Film. Tübingen: Stauffenburg-Verlag 2001. – Hortenbach, Eva: Die literarische und filmische Verarbeitung von Resistenza-Erfahrungen: der italienische Widerstand in Werken von Vittorini, Calvino, Pavese und Cassola und in Filmen von Rossellini und Comencini. Stuttgart: Ibidem 2004. – Langlois, Suzanne: La Résistance dans le cinéma français, 1944-1994. De La Libération de Paris à Libera me. Paris/Montréal: Harmattan [...] 2001.

Referenzen:

Guerilla

Widerstand


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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