Lexikon der Filmbegriffe

Resozialisierung

Gemeint ist die Wiedereingliederung von straffällig Gewordenen, die als Motiv im (humanitären) Dokumentarfilm – meist mit Anspruch auf Gesellschaftskritik –, weitaus häufiger jedoch im Spielfilm, insbesondere in Charakter- und Milieustudien, aber auch in Kriminal-, Gangster- und Polizeifilmen bearbeitet worden ist. Im Zentrum steht der Prozess der Resozialisierung und damit die Gelegenheit, die Vergangenheit der Protagonisten zu zeigen, aber auch die sozialen Institutionen, die den Wiedereingliederungsprozess begleiten (ein neueres Beispiel ist der Nach-DDR-Film Berlin Is in Germany, Deutschland 2001, Hannes Stöhr). Dieser kann gelingen oder scheitern, wobei letzteres gerade im Fall von Klein- oder Jugendkriminalität oft für einen pessimistischen Grundton des Films sorgt. Manche Straftäter können dem Milieu, in dem sie straffällig wurden, nicht entkommen (wie in Johnny Eager, USA 1941, Mervyn LeRoy). Manchmal auch haben die Filme einen Beigeschmack sozialrealistischen Pathos, sie wirken wie ein Plädoyer für die grundsätzliche Möglichkeit, trotz (jugendlicher) Verfehlungen ein bürgerlich-nichtkriminelles Leben zu führen (wie schon in Café Elektric, Deutschland 1928, Gustav Ucicky, oder ironischerweise in der Screwball-Komödie Merrily We Live, USA 1938, Norman Z. McLeod, in dem ein vermeintlicher Tramp in einer bürgerlichen Familie als Chauffeur eine Gelegenheit zur Resozialisierung erhält). Manchmal sind Resozialisierungen verbunden mit der Einsicht in die falschen ideologischen Bedingungen, unter denen die einstige Straftat zustandekam ( wie in American History X, USA 1998, Tony Kaye, in dem aus einem neonazistischen Täter ein skeptischer Bürger wird, der sich bewusst von den älteren Orientierungen lossagt). Das wohl extremste Beispiel ist Stanley Kubricks Film A Clockwork Orange (Großbritannien 1971), in dem einem gewalttätigen Jugendlichen mittels der „Ludovico-Kur“ jede Art von Gewalttätigkeit ausgetrieben wird, was wiederum eine latente Gewalttätigkeit in allen bisherigen Opfern weckt.


Artikel zuletzt geändert am 23.07.2011


Verfasser: PB


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