Lexikon der Filmbegriffe

Surrealismus / surrealistischer Film

Der Surrealismus dient vielfach als Etikett für Filme von experimentellem Charakter. Historisch muss das Verhältnis der Surrealisten vom Verhältnis der Dadaisten zum Film abgegrenzt werden. Die Dadaisten gingen aus einer Handvoll von Gründerfiguren, meist Malern, in Zürich hervor (1915). Der Surrealismus entstand erst später in Paris als eine Breitenbewegung unter der geistigen Führung von André Breton (1924). Daher muss das bekannte Ballet mécanique (Fernand Léger, 1924) als dadaistischer Film angesehen werden. Die Dadaisten verschrieben sich einer generellen Absage an überkommene Ästhetiken, die Surrealisten strebten dagegen nach einer künstlerischen Reflexion des Unbewussten. Der einzige Film, der von den Surrealisten uneingeschränkt als surrealistisch gewürdigt wurde, war Luis Bunñuels L’âge d’or (1930). Dagegen galt sein früherer Film Un chien andalou (1928) als suspekt, da die Mitarbeit von Salvador Dalí verurteilt wurde. Die Surrealisten gingen streng mit den Werken von Künstlern aus ihren eigenen Reihen um, würdigten andererseits Filme von weitaus geringerer innovativer Ästhetik wie etwa King Kong (Cooper und Schoedsack, 1933). Oftmals wurden Filme aufgrund persönlicher Zerwürfnisse untereinander missachtet. Deshalb können trotz ihrer Ablehnung La coquille et le clergyman (Germaine Dulac, 1928) und L’étoile de la mer (Man Ray, 1929) als surrealistische Filme gelten. Ein weiteres berühmtes Beispiel der frühen Phase, das sich zwischen Dadaismus und Surrealimus bewegt, ist Entr’acte von René Clair (1924). Mit dem Spätwerk von Buñuel sowie mit Filmen von Ado Kyrou und Robert Benayoun verlor der historische Surrealismus Ende der 1960er Jahre sein Provokationspotenzial. Auswirkungen des Surrealismus werden etwa noch im US-amerikanischen Underground-Kino ab Ende der 1950er Jahre und den Filmen von Kenneth Anger und Maya Deren gesehen.

Literatur: Béhar, Henri (éd.): Le cinéma des surréalistes. Lausanne: L'Age d'Homme 2004 (Mélusine. 24.). – Hammond, Paul (ed.): The shadow and its shadow. Surrealist writings on the cinema. 3. ed., rev. & exp. San Francisco, Cal.: City Lights 2000. – Kuenzli, Rudolf E. (Ed.): Dada and surrealist film. Cambridge, Mass.: MIT Press 1996. Zuerst New York: Willis, Locker & Owens 1987.
 

Referenzen:

dadaistischer Film


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JT


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