Lexikon der Filmbegriffe

Bildpostkarte

auch: Ansichtskarte; engl.: picture postcard; Liebhaber von Bild-(Kunst-)Postkarten werden Philokartisten genannt

Am 1.10.1869 führte die österreichische Post die „Correspondenz-Karte“ ein – eine Postkarte, die auf der einen Seite das Anschriftenfeld, auf der anderen Raum für Mitteilungen hatte. Anfängliche Bedenken, dass das Publikum auf der Bewahrung des Postgeheimnisses beharren würde, erwiesen sich schnell als gegenstandslos. Schon 1879 beförderte die deutsche Reichspost mehr als 122 Millionen Postkarten. Die Bildpostkarte entstand nach manchen Vorformen zwischen 1872 und 1874. Sie war einfarbig auf der Mitteilungsseite der Postkarten bedruckt, so dass oft die Bilder überschrieben wurden. Zwar gab es schon 1878 Postkarten im Lichtdruckverfahren, doch setzte die große Mode der Bildpostkarten erst in den 1890er Jahren ein. Es entstand die Szene der Philokartisten, Postkarten-Alben kamen in Mode. Neben den gedruckten und massenhaft aufgelegten Postkarten gab es sogenannte Freundschaftskarten, die als Unikate von Künstlern gestaltet wurden.
Die Ikonografie die frühen Bildpostkarten spielten für die Bildgestaltung des frühen Films eine wichtige Rolle; insbesondere die fotografischen Karten aus den Kolonien (die oft von „Eingeborenen“ unterzeichnet waren) dokumentieren die bildgewordenen Stereotypen des Fremden und lassen sich als bildgebende Muster im Kolonialfilm bis lange nach dem Ersten Weltkrieg nachweisen.

Literatur: Hiery, Hermann Joseph: Bilder aus der deutschen Südsee. Fotografien 1884-1914. Paderborn [...]: Schöningh 2005. – Jaworski, Rudolf: Deutsche und tschechische Ansichten. Kollektive Identifikationsangebote auf Bildpostkarten in der späten Habsburgermonarchie. Innsbruck [...]: Studien-Verlag 2006. – Lebeck, Robert / Kaufmann, Gerhard: Viele Grüße... Eine Kulturgeschichte der Postkarte. Dortmund: Harenberg 1985.


Artikel zuletzt geändert am 28.07.2011


Verfasser: JH


Zurück