Lexikon der Filmbegriffe

Junger deutscher Film

manchmal abgekürzt: JDF; oft synonym mit: Neuer deutscher Film

Sammelbegriff für (ausschließlich) bundesdeutsche Filme einer Generation junger, linksintellektueller Filmemacher, deren Karrieren nicht mehr im Nationalsozialismus begannen und die dem bedeutungslos gewordenen westdeutschen Spielfilm wieder zu internationalem Ansehen verhalfen. Den Auftakt zum Jungen Deutschen Film bildete das von der französischen politique des auteurs, aber auch von der Nouvelle Vague stimulierte Oberhausener Manifest von 1962, worin die 26 Unterzeichnenden das Kino der alteingesessenen Branche aus ökonomischen, inhaltlichen, politischen und ästhetischen Gründen verwarfen und nachdrücklich die Einrichtung von Filmakademien sowie die staatliche Förderung von Debutfilmen forderten. Ihre eigenen Filme drehten sie mit kleinem Etat und außerhalb der Studios. Interessante Schauplätze und natürliche Sprache sind Kennzeichen, aber auch ein gewisser Hang zu formalen Mätzchen und eine zuweilen verkrampfte Originalität. Die Forderung nach einem radikalen Autorenfilm (1962), dessen Interesse eher die Reflexion als die Unterhaltung des Zuschauers war, stieß zunächst die Gründung des Kuratoriums Junger Deutscher Film an (1965), das die Filmprojekte junger Autoren-Regisseure fördern sollte. Es dauerte bis zu den Festivals von Cannes (1966: Der junge Törless, Volker Schlöndorff), Venedig (1966: Abschied von gestern, Alexander Kluge) und Berlin (1968: Lebenszeichen (Film), Werner Herzog), dass die ersten Filme der deutschen „Jung-Filmer“ enthusiastisch gefeiert und mit Preisen überhäuft wurden. Publikumserfolge wie Zur Sache, Schätzchen (1968, May Spils), Wilder Reiter GmbH (1967, Franz-Josef Spieker) oder der kontrovers diskutierte Jagdszenen aus Niederbayern (1969, Peter Fleischmann) machten die neue deutsche Filmproduktion auch beim Publikum bekannt. 1968 wurde das Filmförderungsgesetz verabschiedet, die besonderen finanziellen und kulturpolitischen Bedingungen des „Neuen“, nicht mehr des „Jungen deutschen Films“ waren geschaffen.

Literatur: Elsaesser, Thomas: Der Neue Deutsche Film. Von den Anfängen bis zu den Neunziger Jahren. München; Heyne 1994.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: PB CA


Zurück