Lexikon der Filmbegriffe

Unterhaltungsslalom

Der Unterhaltungsslalom-These folgend umgehen TV-Zuschauer Informationsprogramme zugunsten der Unterhaltungsangebote, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Der These liegt die Annahme zugrunde, dass Zuschauer Unterhaltung der Informationsvermittlung vorziehen, und sie impliziert eine Vermehrung des TV-Unterhaltungsangebote zu Lasten der Informationsprogramme. Gegen die These, die im Rahmen der Dualisierung des deutschen Rundfunksystems meist als Vorbehalt gegen die Deregulierung der Programmaufsicht vertreten wurde, wurde früh geltend gemacht, dass auch unterhaltende Programme (in der Regel) Informationen enthalten, dass Zuschauer zudem in bestimmten, historisch und individuell verschiedenen Situationen stark an Informationsprogrammen interessiert sind und dass nach der „Entertainisierung“ eine „Re-Informatisierung“ der deutschen Fernsehprogramme einsetze, dass insbesondere neue Formen der „unterhaltenden Information“ (Infotainment) entwickelt würden. Außerdem sei die Präferenz für Gattungen und Themen ein allgemeines Charakteristikum der Programmwahl von Zuschauern (so dass man auch auf Zuschauergruppen treffe, die einen „Kultur-“, „Sport-“ oder auch „Politik-Slalom“ durch das Programm führen). Zudem verdecke eine allzu einfache Gliederung der Programme in Grobkategorien wie „Unterhaltung“, „Information“ etc. die Tatsache, dass zwischen den Unterhaltungsangeboten selbst ein Slalom stattfindet, dass also der Sektor „Unterhaltung“ selbst äußerst differenziert sei.

Literatur: Donsbach, Wolfgang / Dupré, Danièle: Mehr Vielfalt oder “more of the same” durch mehr Kanäle? Möglichkeiten zum Unterhaltungsslalom im deutschen Fernsehen zwischen 1983 und 1991. In: Bosshart, Louis / Hoffmann-Riem, Wolfgang (Hrsg.): Medienlust und Mediennutz. Unterhaltung als öffentliche Kommunikation. München: Ölschläger 1994, S. 229-247. – Knobloch, Silvia: "Unterhaltungsslalom" bei der WWW-Nutzung: ein Feldexperiment. In: Publizistik 47,3, 2002, S.309-318. – Tasche, Karl Gerhard: Die selektive Zuwendung zu Fernsehprogrammen. Entwicklung und Erprobung von Indikatoren der selektiven Nutzung von politischen Informationssendungen des Fernsehens. München: Fischer 1996.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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