Lexikon der Filmbegriffe

Balázs Béla Studios (BBS)

Das Béla Balázs Studio (BBS) entstand aus einem Filmklub, der auf Initiative des Synchronregisseurs Pál Gerhardt zustande kam. Gerhardt brachte 1959 den ersten Entwurf zur Gründung eines „jungen Filmstudios“ zu Papier und reichte es über die Filmkünstlergewerkschaft zur Genehmigung ein. Die Hauptverwaltung für Filmwesen im Bildungsministerium stimmte zu, und so fand am 11.12.1959 die Gründungssitzung des Studios statt. Obwohl es ausgemachtes Ziel des Studios war, eine von den offiziellen Filmstudios unabhängige Produktionsstätte für Filme zu werden, kamen in den ersten beiden Jahren seines Bestehens keine Filme zustande. Erst 1961 entschied der stellvertretende Kultusminister György Aczél, aus dem Filmklub der jungen Leute einen „Musterbetrieb“ der ungarischen Filmproduktion zu machen. Jungen Regisseuren und Kameramännern (wie Judit Elek, Pál Gábor und István Szábo) sollte Geld zur Produktion von Kurzfilmen zur Verfügung stehen. Das Statut der BBS sah neben der Produktion von Filmen die theoretische Weiterbildung vor; auch sollte das „politisch-gesellschaftliche Leben der Film- und Fernsehkünstler durch die Organisation von Zusammenkünften und Debatten, das Einladen heimischer und ausländischer Künstler, Politiker und Dozenten“ organisiert werden. Die Entscheidungen bezüglich der zu realisierenden Projekte traf – aufgrund der Meinung der Mitglieder – die Studioleitung. Diese Studioleitung bestand aus fünf Personen, die die Mitgliedschaft alle zwei Jahre aus ihren Reihen wählte. Der erste große Erfolg des Studios wurde Szábos Kurzfilm Te (IT: You, 1963). Im Laufe der 1960er wuchs die Mitgliederzahl des BBS kontinuierlich, während die finanziellen Mittel und die Produktionsbedingungen gleich blieben (1970 hatte das Studio 80 Mitglieder und produzierte 8 Filme). Ab 1970 übernahm im BBS endgültig eine neue Generation das Zepter mit einem gänzlich neuen künstlerischen Programm: György Szomjas, Ferenc Grunwalszky, Gábor Bódy und andere. Das wichtigste neue Experiment dieser Epoche war der sogenannte „soziografische Dokumentarfilm“. 1976 entstand unter Federführung Gábor Bódys eine eigene Abteilung für experimentellen und avantgardistischen Film, in der u.a. Béla Tarr arbeitete. Nach dem Ende der kommunistischen Zentralregierung wurden die BBS 1989 in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt.


Artikel zuletzt geändert am 26.07.2011


Verfasser: LH AS


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