Lexikon der Filmbegriffe

caméra stylo

Alexandre Astruc, Filmkritiker, Filmtheoretiker und Filmemacher, entwickelt die Theorie der caméra stylo in seinem Artikel „Naissance d’une nouvelle avant-garde: la caméra-stylo“, der am 30.3.1948 in der Zeitschrift L’Ecran français erscheint. Dort heißt es: „Der Autor schreibt mit seiner Kamera, wie ein Schriftsteller mit einem Stift schreibt.“ Astruc versteht den Film als eine Art von Sprache, in der ein Künstler seine inneren Gedanken jedweden Abstraktionsgrades zum Ausdruck bringen kann. Er verweist auf die Vorhaben von Jacques Feyder und Sergej Eisenstein, die L’Esprit de lois von Montesquieu bzw. Das Kapital von Marx verfilmen wollten. So gesehen ist der Film ein „Theorem“ und hinsichtlich seiner Form zu verstehen. Astruc platziert zwischen das cinéma pur der 1920er Jahre und das verfilmte Theater die caméra stylo als eine Epoche des Filmes, „qui dégage“, im bewussten Gegensatz zu Jean-Paul Sartres Plädoyer für eine „engagierte“ Kunst. Mit seiner Absage an den illustrierenden, handlungsorientierten, kommerziellen Film, der sich an ein breites Publikum richtet, nimmt Astruc den Begriff des auteur vorweg. Seine Thesen werden von Jean George Auriol in der Revue du cinéma (1946-1949) und, als Referenz für die Autorentheorie in der Nouvelle Vague, in den Cahiers du cinéma ab 1951 aufgegriffen.


Artikel zuletzt geändert am 02.08.2011


Verfasser: JT


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