Lexikon der Filmbegriffe

Innerer Monolog

auch: stummer Monolog; selten: stumme direkte Rede; engl. manchmal: quoted monologue; frz.: monologue intérieur; bei Genette dagegen ist der innere Monolog als discours immédiat gefaßt, in dem sich die dargestellte Figur über jede Erzählinstanz hinwegsetzt und sich von vornherein in den Vordergrund und in das Zentrum der Szene setzt; im Theater gelegentlich als „Beiseitesprechen“ realisiert, bei dem der Schauspieler die Zuschauer unmittelbar anspricht; Extremformen des inneren Monologs sind der „Bewußtseinsstrom“ (stream of consciousness) und die „Monologerzählung“ (autonomous monologue), in denen ausschließlich innerer Monolog als Erzählweise genutzt wird

Der als Voice-Over realisierte innere Monolog erzählt nicht, adressiert auch eigentlich nicht den Zuschauer, sondern spiegelt das innere Bewusstsein eines dargestellten Ichs, das seine gegenwärtige Situation reflektiert, Rückerinnerungen aufruft, die durch sie assoziiert werden, moralische Implikationen zu ziehen versucht. Innere Monologe sind keine freien Assoziationsreihen, sondern kreisen um gewisse thematische Zentren. Da die Handlung in der Phase des inneren Monologs aussetzt, erscheint die erzählte Zeit gedehnt. Im Film ist der innere Monolog ausgesprochen selten, wird aber gelegentlich als Mittel benutzt, um innere Unsicherheiten, Bruchphasen der Erfahrung, besondere subjektive Bedeutungen u.ä. zu repräsentieren. Er bleibt aber erkennbar als ein literarisches Verfahren, das dem Film eher fremd geblieben ist.

Literatur: Cannone, Belinda: Narrations de la vie intérieure. [Paris]: Klincksieck 1998. - Neuse, Werner: Geschichte der erlebten Rede und des inneren Monologs in der deutschen Prosa. New York [...]: Lang 1990. – Niehaus, Michael: "Ich, die Literatur, ich spreche ..." Der Monolog der Literatur im 20. Jahrhundert. Würzburg: Königshausen und Neumann 1995.

Referenzen:

Beiseitesprechen

inneres Sprechen


Artikel zuletzt geändert am 19.10.2012


Verfasser: AS


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