Lexikon der Filmbegriffe

Bauchrednereffekt

auch: Ventriloquismus

Als „Bauchrednereffekt“ bezeichnet man die Synthese von Bild und Ton zur Wahrnehmung eines zusammenhängenden Ereignisses. Auch dann, wenn Bild und Ton räumlich unterschieden sind, tendiert der Wahrnehmende dazu, sie zu einer Einheit zu verbinden. Der Klang einer Stimme wird z.B. mit dem Bild eines Sprechenden verbunden, das Geräusch von „Gehen“ mit dem Bild eines Gehenden. Ein multimodales Angebot von akustischen und visuellen Reizen wird so zu einer einheitlichen Wahrnehmung verschmolzen. U.a. basiert auch die Möglichkeit der Synchronisation von Filmen auf dem Bauchrednereffekt. Vielfach ist spielerisch mit dem Effekt umgegangen worden – wenn etwa durch Desynchronisation von Bild- und Tonspur die Stimme der Frau auf den Lippenbewegungen des Mannes liegt und umgekehrt (wie in Singin‘ in the Rain, USA 1952, Stanley Donen, Gene Kelly), oder wenn bei Jacques Tati (in Les Vacances de M. Hulot, Frankreich 1951) das Geräusch von Tennisbällen mit dem Bild von Schrittbewegungen synchronisiert wird.

Literatur: Flückiger, Barbara: Sound Design. Die virtuelle Klangwelt des Films. Marburg: Schüren 2001, S. 137ff. – Bertelson, P. / Radeau, M.: Cross-modal bias and perceptual fusion with auditory-visual spatial discordance. In: Perception & Psychophysics 29, 1981, S. 578-584.
 

Referenzen:

Synchrese


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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