Lexikon der Filmbegriffe

Topik-Reihe

Von Peter Wuss verwendetes Modell, nach dem in der Rezeption ein Netz von Strukturen aufgebaut resp. identifiziert wird, das die Bedeutungen eines filmischen Werks tragen. Auf drei Ebenen führen Textverstehensprozesse dazu, dass sich Schemata und Muster im Verlauf der Rezeption herausbilden lassen: Ein erster Typus fußt auf der Wahrnehmung (Perzeption) des Films und führt zur Annahme von Reihen von Invarianten resp. von Varianten eines tieferliegenden Themas (eines topic); Wuss spricht dann von sogenannten ‚Topik-Reihen der Narration‘; ein zweiter, konzeptuell geleiteter Typus führt zu Kausal-Ketten (und damit zur Konstitution der Zeit im Geschehen); ein dritter, stereotypengeleiteter Typus schließlich formiert regelrechte Story-Schemata. Topik-Reihen sind die am wenigsten untersuchte Form der Bedeutungsgenerierung im Filmverstehen.
Ähnliche Überlegungen finden sich in einer ganzen Reihe von Texttheorien des Films: Bei Wuss sind es „verdichtete Sinnbeziehungen“, die zwar semantisch wenig stabil sind, gleichwohl beim Aufbau inhaltlicher Erwartungen zuträglich sind. Bei Greimas sind es „Isotopen“, die als sich wiederholende und zugleich variierende Reihen von Elementen am Text zeigen und die einen wesentlichen Beitrag zur Bedeutung des jeweiligen Werks leisten. Bei Kristin Thompson wiederum ist die Rede von „Motiven“ (motifs), die sich je nach Werk zu eigenen Komplexen anreichern können (am Beispiel von Eisenstein-Filmen etwa). Wenn also in einem Film wie De Wisselwachter (Niederlande 1985, Jos Stelling) immer wieder Bilder der kleinen Natur und ihrer Veränderungen in die Handlung eingeschnitten sind (Bilder von Moos und Gräsern, von Fliegen und Eiszapfen und dergleichen mehr), stellt sich schließlich der Eindruck einer (thematischen oder) „topikalen Reihe“ ein, die wiederum mit dem Minimalismus der Handlung, der Reduktion des Gefühlsausdrucks und ähnlichem zusammengebracht werden kann.


Artikel zuletzt geändert am 22.07.2011


Verfasser: HJW


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