Lexikon der Filmbegriffe

excitation transfer

In der Rezeption von Texten wird ein unspezifischer Aktivierungszustand aufgebaut (arousal), der mittels kognitiver Attributionen interpretiert und damit in einen selbst wahrnehmbaren Affekt umgesetzt wird. Erregungsprozesse dieser Art sind langsam, sie dauern sogar noch an, wenn ihre kognitiven Voraussetzungen gar nicht mehr bestehen. So kann ein Film „aufwühlen“ und über das Ende hinaus einen Affekt tragen, der in die folgende Tätigkeit oder Interaktion hineinwirkt. Dramaturgisch ist die Langsamkeit, mit der sich Erregungszustände abbauen, bedacht: Im Übergang von showdown zum Schluss kalkuliert sie genau mit diesem Erregungsüberhang, der zu einer Umdeutung (z.B. von einem Spannungs- zu einem diffusen Euphorie-Erlebnis) genutzt werden kann. Tannenbaum/Gaer schlossen daraus, dass die Intensität des Erlebens in der spannungsreichen Konfliktphase im Sinne des excitation transfer auch das Erleben der Konfliktlösung beeinflusse: Die negative physiologische Erregung werde im Licht des guten Ausgangs in Freude umgedeutet. Das Argument ist wichtig, weil es die Handlungsbeschleunigung des showdown als eine Intensivierung der leiblichen Erregung liest, der mit dem Schluß der Geschichte eine letzte Interpretationsleistung und Bedeutungsveränderung entgegengestellt ist.

Literatur: Tannenbaum, Percy H. / Gaer, E.P.: Mood change as a function of stress of protagonist and degree of identification in a film-viewing situation. In: Journal of Personality and Social Psychology 2,4, 1965, S. 612-616. – Tannenbaum, Percy H. / Zillmann, Dolf: Emotional arousal in the facilitation of aggression through communication. In: Advances in experimental social psychology. 8. Ed. by Leonard Berkowitz. New York: Academic Press 1971, S. 149-192.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


Zurück