Lexikon der Filmbegriffe

9,5mm-Film

9,5mm-Film entsteht, wenn man bei einem 35mm-Filmstreifen den Bereich zwischen den Perforationen dritteilt. So kann man auf recht preiswertes Ausgangsmaterial zugreifen, ohne eine eigene Rohfilmproduktion aufbauen zu müssen. Die Perforation wird als Mittenperforation eingestanzt, so dass fast die ganze Breite des Filmstreifens belichtbar ist; das Netto-Bildformat entspricht mehr als 70% des 16mm-Bildes.
Nach einigen Jahren, in denen verschiedene Schmalfilmformate auf dem Markt gewesen waren, stellte Pathés Tochterfirma Continsouza im Dezember 1922 sein Heimkinoverfahren Le Cinéma chez soi – genannt Pathé Baby. Zunächst lag ein Projektor vor, der weitestgehend mit dem Lumière-Cinématographen von 1895 identisch war: Eine 6W-Lampe projizierte ein erstaunlich klares Bild. Die Filmkassetten nahmen 9m, später 15m Film auf. Ein eigener Mechanismus sorgte dafür, dass ausgewählte Bilder (insbesondere Titel und Großaufnahmen) für einige Sekunden eingefroren werden konnten, was Material sparte. Filme – Wochenschauen und Dokumentationen, Komödien und Dramen – konnten bei Pathé gekauft oder geliehen werden, sie basierten auf den umfangreichen Verleihbeständen des 35mm-Archivs. Einige waren koloriert.
1923 stellte Pathé die 9,5mm-Kamera Pathé Baby set vor, eine Handkurbelkamera, die gleichwohl billig und zuverlässig war. Insgesamt wurden 300.000 Projektoren und eine unbekannte Menge Kameras verkauft. Der Erfolg war auf Europa beschränkt. In Japan gab es bis zum 2. Weltkrieg einen Nachbau des Pathé-Projektors (Cine Rola). 1938 brachte Pathé-Vox in Frankreich sogar einen Tonprojektor auf den Markt. Eine kleine 9,5mm-Szene hält sich bis heute: Immer noch werden Kameras und Projektoren gebaut, und weiterhin wird Rohmaterial aus 35mm-Film gewonnen. Einmal im Jahr treffen sich die internationalen Kino-Klubs 9,5mm und zeichnen die besten Filme aus.


Artikel zuletzt geändert am 10.12.2011


Verfasser: JH


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