Lexikon der Filmbegriffe

Horrorkomödie: Geschichte

Horrorkomödien bilden seit Beginn der Filmgeschichte ein stabiles Subgenre der Komödie bzw. des Horrorfilms. After Dark – Or, the Policeman and His Lantern von 1903, in welchem der Protagonist zahlreiche komische Abenteuer erlebt, aber auch auf den legendären Serienmörder Jack the Ripper trifft, ist ein Beispiel aus dem frühesten Kino. Im Hollywood-Kino konnte sich die Horrorkomödie später vor allem mit Persiflagen durchsetzen: Die Filmreihe mit den Figuren Bud Abbott und Lou Costello war etwa Ende der 1940er Jahre eine höchst populäre Persiflage klassischer Horrorstoffe wie Frankenstein, die Mumie, Graf Dracula, der Unsichtbare usw. Mit Aufkommen des modernen Horrorfilms in den 1960ern wurden Horrorkomödien zunächst seltener; bis in die 1970er hinein sind es vor allem Sleaze-, Schlock- und Trashfilme, die der Horrorkomödie im weiteren Sinne zugerechnet werden können. Im Zuge der Postmodernisierung des modernen Horrorfilms wurden dann aber vor allem die Horrorfilm-Persiflagen wieder populär und sind sogar oft erfolgreicher als die ihnen zugrunde liegenden Horrorfilme (man denke etwa an die Scream-Trilogie von Wes Craven).
In der Film- und Medienwissenschaft war die Horrorkomödie Gegenstand genre-, motivgeschichtlicher und psychologischer Untersuchungen. Am Splatterfilm haben sich erste Auseinandersetzungen zum postmodernen Kino entwickelt. Frank Hofmann sieht in deren Übersteigerungslogik, in der Gewaltanwendung ab Mitte der 1980er Jahre in groteske Blutbäder kulminiert, das Lachen als die einzig mögliche Reaktion auf die Bilder dieser später als Splatstick apstrophierten Splatter-Komödien. Auch die psychologische Filmtheorie und die Medienwirkungsforschung haben sich der paradoxen Affekt-Situation, die sich in der Rezeption von Horrorkomödien einstellt, gewidmet und insbesondere die Frage behandelt, warum Lachen selbst bei solchen Horrorfilmen, die keinerlei Ironie- oder Komik-Signale enthalten, ein häufig anzutreffendes Zuschauerverhalten ist.

Literatur: Hofmann, Frank: Moderne Horrorfilme. Rüsselsheim: Hofmann 1994. – Westphal, Sascha / Lukas, Christian: Die Scream-Trilogie und die Geschichte des Teen-Horrorfilms. München: Heyne 2000. – Höltgen, Stefan: Anyone for Tennis? Zeit und Körper im Splatstick-Film. In: Ders. / Christian Hoffstadt (Hgg.): Sick Humor? Komik und Gewalt. Bochum: Projekt Verlag 2010.

Referenzen:

Horrorkomödie


Artikel zuletzt geändert am 12.07.2011


Verfasser: SH


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