Lexikon der Filmbegriffe

Einlage

meist als: Tanzeinlage, Gesangseinlage; engl.: dance interlude, interlude featuring dancers

Als Einlage bezeichnet man in allen performativen Künsten einen meist unterhaltenden Einschub in eine künstlerische Darbietung. Sie unterbricht den Fortgang des umgreifenden Textes, setzt die Geltung der Textkohäsion zeitweilig außer Kraft, manifestiert einen anderen Modus der Darbietung als denjenigen des Rahmentextes. Einlagen sind nicht erwartbar, weil sie sich nicht aus der progressiven Logik der Entwicklung des Rahmentextes oder seiner Argumentationsstruktur ergeben, sondern auf Grund dramaturgischer Entscheidungen eingesetzt sind. Oft kommt ihnen eine retardierende Funktion zu.
Einlagen sind meistens Kleintexte, die in sich geschlossen sind, die einen eigenen Modus der Repräsentation sowie einen eigenen modalen und affektiven Status haben. Sie sind in sich mehr oder weniger stark gegliedert und durchgeformt. Zum Teil fußen sie auf eigenen Konventionalisierungen aus Genres, die nicht mit dem des Rahmentextes übereinstimmen (Musical, Burlesk-Komödie, Schlagerfilm u.a.m.). Gerade der Wechsel der Genres resp. der Genrebezüge hebt die Differenz zwischen Rahmentext und Einlage hervor. Einlagen sind oft reflexiv, spielen mit der Virtuosität der Darstellung oder der Bekanntheit der Darsteller.
Die Funktionen von Einlagen sind vielfältig. Ihre vielleicht wichtigste ist es, Gegenaffekte gegen den dominierenden Modus des Rahmentextes zu setzen (wie vor allem im komischen Zwischenspiel, engl.: comic relief, comic interlude), so dass sie für Affektregulation der Rezipienten eine moderierende und entlastende Funktion einnehmen können.
Einlagen können auch als reale Unterbrechungen einer Situation realisiert werden (wenn etwa auf einem Empfang ein anwesender Performer eine Kostprobe seiner Kunst gibt).
Eigenständige Formen der Einlage sind das Intermezzo (in der Musik und im Theater, insbesondere als Zwischenspiel in Opern), das Zwischenspiel (im Theater), das Embolium (eine pantomimische Kleinform, die im antiken Theater zwischen den Akten platziert war) und die Zwischenmusik, die vor allem in den Hörkünsten (Hörspiel, Hörbuch) auftritt.

Referenzen:

Extravaganza

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Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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