Lexikon der Filmbegriffe

Insert: Metz

Eine eigene Position nehmen die Inserts (hier übersetzt als: Einfügungen) in der „großen Syntagmatik“ von Christian Metz ein. Inserts sind hier „Einstellungen mit Sequenzstatus, die in eine Kette von Einstellungen eingefügt sind, die selbst wiederum einen Sequenzstatus besitzt. Sie erhalten den Staus einer Sequenz dadurch, dass sie nicht wie die Einstellungen, die sie umgeben, in das relationale System, das die umgebende Sequenz konstituiert, in gleicher Weise wie die umgebenden Einstellungen integriert sind“ (Möller 1986, 209). Derartige Einstellungen verdanken ihre Autonomie „dem Gesetz der syntagmatischen Interpolation“ (Metz 1972, 172), wobei die Frage, was denn interpoliere und was genau darunter zu verstehen sei, durchaus unklar bleiben. Der Begriff der Interpolation ist in verschiedenen Kunstwissenschaften gebräuchlich – in der Literaturwissenschaft als Bezeichnung einer Veränderung eines ursprünglichen Textes, in der Musikwissenschaft als Bezeichnung eines abrupten Wechsels von musikalischen Elementen; etwas davon abweichend bezeichnet der Begriff in der Fotografietheorie ein Verfahren zur Veränderung der Punktdichte und Kontrastdifferenzierung, das wiederum zur klaren Kontrastierung des interpolierten Segments zur Umgebung führt. Metz schlägt die Inserts den autonomen Einstellungen zu, differenziert sie allerdings nach dem „Grund der Interpolation“ in vier Subtypen:


– die nicht-diegetische Einfügung ist ein „Bild mit einem rein komparativen Wert, das einen Gegenstand außerhalb der Handlung darstellt“ (1972, 172);


– die subjektive Einfügung ist ein Bild, das etwas darstellt, was vom Handelnden nicht als anwesend empfunden wird, sondern als abwesend, z.B. Erinnerungen, Träume, Befürchtungen, Vorahnungen etc.“ (1972, 172);


– die diegetisch versetzte Einfügung mein „ein Bild, das zwar völlig ‚real‘ ist, aber aus seiner normalen filmischen Umgebung herausgenommen und als eine Art Enklave in das Syntagma einer fremden Aufnahme eingebettet wurde; z.B. wird während einer Sequenz, die die Verfolger darstellt, ein einzelnes Bild der Verfolgten eingefügt“ (1972, 172);


– die explikative Einfügung ist danach ein „gleichsam mit der Lupe vergrößertes Detail, das seiner natürlichen räumlichen Umgebung enthoben und in einen abstrakten, rein intellektuellen Raum gestellt wird, z.B. Visitenkarten oder Dokumente in Großaufnahme“ (1972, 172).


Leider gibt Metz keine detaillierten Beispiele. Ob das Modell, das schon in sich Kritik verdient, auf die musikalischen Inserts übertragen werden kann, erscheint einigermaßen fraglich. Wichtig ist allerdings der Hinweis auf den interpolativen Effekt, den derartige Szenen haben und der sie von „normalen Musikszenen“ unterscheidet. Eine Interpolation ändert den ursprünglichen Sinngehalt resp. den szenisch-dramatischen Horizont eines Textes durch Einfügung ab (in der Literatur: von Wörtern, Sätzen oder Abschnitten; im Film: durch Einstellungen oder Einstellungsfolgen in Szenenlänge).

Literatur: Metz, Christian: Semiologie des Films. München: Fink 1972. – Möller, Karl-Dietmar: Filmsprache. Eine kritische Theoriegeschichte. Münster: MakS Publikationen 1985.

Referenzen:

Insert


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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