Lexikon der Filmbegriffe

Illusionsbühne

auch: Imaginationsbühne; von griech. illusio = Verspottung, Ironie, Täuschung

Aus der Guckkastenbühne entwickelte sich die Illusionsbühne – sie versucht, die fiktionale Welt bei der Aufführung mit den Mitteln der Architektur, der Malerei, mit Hilfe der Requisiten, aber auch mittels diverser Tricks möglichst naturgetreu vorzutäuschen. Weil die Illusionierung eine so greifbare ästhetische Absicht der Inszenierung ist, kann sie im Beiseitesprechen gebrochen und relativiert werden. Die Illusionsbühne wurde schon im 19. Jahrhundert seltener, wird durch die puristische, keinen realen Raum mehr vortäuschende Stilbühne abgelöst - sie hielt sich aber im populären Theater. Der frühe Film konnte in vielem an Techniken der Illusionsbühne anknüpfen. Manche frühe Filmemacher kamen selbst vom Illusionstheater. Georges Méliès z.B. setzt alle Mittel der Illusionsbühne, Falltüren, Attrappen und unsichtbare Leinen, mittels derer die Darsteller durch die Luft schweben, auch in seinen Filmen ein. Mit den Mitteln der malerischen Bildherstellung wie Retusche und Kolorierung, mit optischen Verfahren wie Doppelbelichtung oder Rückprojektion und mit einer Verfeinerung jener spiegelfechterischen Tricks, der sich Illusionisten und Magier seit Jahrhunderten bedienten, hat das Kino bis in die Action-Filme der Gegenwart Strategien des Illusionstheaters fortgesetzt.


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: JH


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