Lexikon der Filmbegriffe

Inzidenzmusik

auch: Handlungsmusik; heute meist: szenische Musik, On-Musik; engl.: source music; von lat.: incidens = hineinfallend

Musiken, deren Ursprung im Bild zu sehen ist – ein Radio spielt, ein Plattenspieler wird eingeschaltet, die Kapelle spielt zur Hochzeit auf, eine Blaskapelle marschiert vorbei –, und man hört dazu die entsprechenden Klänge. Der Terminus entstammt der Bühnenpraxis. Inzidenzmusiken werden auch dann als Teil des dargestellten akustischen Environments wahrgenommen, wenn alle realen Störgeräusche eliminiert wurden und die (vorgeblich real erklingende) Musik eigentlich ein synthetisches Konstrukt ist. Manchmal wird – das Feld innerfilmischer Musikverwendungen strikt an das Dargestellte koppelnd – auch von „Ereignismusiken“ gesprochen, die immer durch dargestelltes Geschehen motiviert sei. Dabei entstehen manchmal eigene Szenen-Stereotypen (wie die Fanfaren als Begrüßungsmusiken im Ritterfilm).
Ob Inzidenzmusiken tatsächlich der Filmmusik zugerechnet werden können, ist nicht unumstritten. Immerhin kann man damit argumentieren, dass sie den Geräuschen zuzurechnen sei, weil sie ja zur akustischen Ausstattung der erzählten Welt gehört. „Eigentliche“ Funktionen der Filmmusik lassen sich aber nicht aus der baren Repräsentation einer akustischen Wahrnehmungswelt ableiten, sondern bedürfen einer Erzählerinstanz. Natürlich werden Musiken auch diegetisch funktional verwendet (um Stimmungen auszudrücken, um sich selbst darzustellen, um soziale Differenzierung zu markieren etc.). Derartige Funktionen können im jeweiligen Film textuell genutzt oder kopiert werden; dennoch entstammen sie einem Begründungsmuster, das nicht der Kontrolle des Autors unterstand.

Literatur: Aber, Adolf: Die Musik im Schauspiel. Geschichtliches und Ästhetisches. Leipzig: Beck 1926. – Flashar, Hellmut: Felix Mendelssohn-Bartholdy und die griechische Tragödie. Bühnenmusik im Kontext von Politik, Kultur und Bildung. Stuttgart [...]: Hirzel 2001. - Mirow, Franz: Zwischenaktsmusik und Bühnenmusik des deutschen Theaters in der klassischen Zeit. Berlin: Gesellschaft für Theatergeschichte 1927.

Referenzen:

diegetischer Ton


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


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