Lexikon der Filmbegriffe

Ingénue

von frz. ingénue = offen, unbefangen, treuherzig, unschuldig, harmlos; im Theater: Naturkind, Naive

Im Theater und dann auch im Film bezeichnet ingénue sowohl die die Rolle einer attraktiven, unschuldigen und naiven jungen Frau wie aber auch den Schauspielerinnentypus, der derartige Rollen spielen kann. (1) Eine ganze Reihe von Ingénue-Rollen weist im Theater und im Film das Weibliche in einer besonderen Abschattung gegen alle anderen Rollen aus, die gegenüber ihrer Naivität als intrigant und berechnend ausgewiesen sind. Männliche ingénues sind selten. Die Rolle der Maria in West Side Story oder der Magnolia in Show Boat sind klassische Beispiele der ingénue. Ingénues sind romantische Figuren, auch wenn sie im Thriller oft als Opfer auftreten. (2) Oft werden die Schauspieler in zwei große Gruppen physischer Erscheinung eingeteilt – den ingénue-Typus und den Charakterdarsteller. Der Ingénue-Typus zeichnet sich durch die Jugendlichkeit der Erscheinung, Schlankheit des Körpers, einen unschuldigen Gesamteindruck, Attraktivität in einem konventionellen Sinne und hohe Tonlage der Stimme aus.
Manche Schauspielerinnen wie Teresa Wright waren für viele Jahre auf Ingénue-Rollen abonniert, galten als deren prädestinierte Performer: Wrights Laufbahn begann am Broadway mit der Rolle der Unschuldigen in Our Town (1940); ihre erste Filmrolle war wiederum eine Naive in The Little Foxes (1941). Sie gab der Ingénue-Figur in Shadow of a Doubt (1943) and The Best Years of Our Lives (1946) eine moralische Tiefe, die sonst oft vermisst wird – sie spielt nicht nur die attraktive, aber naive und manchmal sogar dumme junge Frau, sondern gestaltet sie hier als Inkarnation einer viel weitergehenden, ursprünglichen Integrität und Gutheit aus.

Referenzen:

Naivität im Film

Simpliziade


Artikel zuletzt geändert am 19.01.2012


Verfasser: HJW


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