Lexikon der Filmbegriffe

Ansco Color

(1) Von der Ansco Corp., Binghamton, N.Y. (USA), 1946-1950 nach dem Agfacolor-Verfahren, dessen Rezepturen ihr aus der Zeit ihrer Zugehörigkeit zum deutschen IG Farben-Konzern (1928-1941) bekannt waren, hergestellte Umkehrfilme zur Aufnahme und Kopie von Kurz- und Spielfilmen (z.B. The Man on Eiffel Tower, USA 1948, Burgess Meredith). Der Kopierfilm arbeitete zur Kontrastminderung mit einer Silbermaske. Kopien wurden auch von Technicolor hergestellt.
1947 hatte die US-Regierung gegen die Technicolor Motion Picture Corp. und gegen Eastman Kodak C. ein Antitrust-Verfahren eröffnet, um deren Monopolstellung auf dem US-Filmmarkt zu Gunsten von Ansco Color zu brechen. Sie hatte daran ein Interesse, nachdem sie die frühere Agfa Ansco Corp. 1941 als Feindvermögen beschlagnahmt hatte. Das 1950 mit einem Vergleich abgeschlossene Verfahren brachte aber nur mit sich, dass Technicolor anderen Unternehmen Lizenzen einräumen und technisches Know-How weitergeben musste.

Literatur: Cornwell-Clyne, Major Adrian: Colour Cinematography. 3rd ed. London: Chapman & Hall 1951, S. 26-27, 31, 389-409. – Koshofer, Gert: Kodak und der Kinofarbfilm. [Hier: Antitrust-Verfahren gegen Kodak und Technicolor.] In: Weltwunder der Kinematographie (hrsg. v. Joachim Polzer) 6, 2002, S. 339-341.

(2) 1950-1956 von Ansco produzierte Negativ- und Positivfilme nach dem Agfacolor-Verfahren. Nach dem ersten Film The Wild North (USA 1951/1952, Andrew Marton) wurde Ansco Color zum Hausmaterial von Metro-Goldwyn-Mayer, auch für CinemaScope- und 3D-Filme. Kopien von Ansco-Color-Negativen wurden auch von Technicolor hergestellt. Nach Lust for Life (USA 1955, Vincente Minelli), der wegen Kopien auf Eastman Color bereits unter der Vorspannbezeichnung Metrocolor lief, wurde Ansco Color aber durch Eastman Color abgelöst. Eastman Color war Ansco Color durch die Verwendung von Farbmasken und an Empfindlichkeit überlegen, Ansco Color Positivfilme sind jedoch sehr farbstabil geblieben.

Literatur: Koshofer, Gert: Color. Die Farben des Films. Berlin: Spiess 1988, S. 113-116. – Koshofer, Gert: Die Agfacolor Story. In: Weltwunder der Kinematographie (hrsg. v. Joachim Polzer) 5, 1999, S. 75-79. – Limbacher, James: Four Aspects of the Film. New York: Brussel & Brussel [1968], S. 54-56.

(3) Etwa von 1942 bis 1955 nach dem Agfacolor-Verfahren hergestellte 16mm-Schmalfilme, die zunächst nur für militärische Zwecke zur Verfügung standen, aber 1946 allgemein freigegeben wurden. Sie wurden durch die höher empfindlichen Anscochrome Schmalfilme abgelöst. 


Artikel zuletzt geändert am 15.07.2011


Verfasser: GK


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