Lexikon der Filmbegriffe

Andreotti-Gesetz

ital.: Legge Andreotti

Das nach dem von 1947 bis 1953 amtierenden christdemokratischen Sottosegretario di Spettacolo (etwa: Staatssekretär für das Filmwesen) Giulio Andreotti benannte Andreotti-Gesetz wurde 1949 verabschiedet. Es regelte nicht nur finanzielle Förderungen für die Filmindustrie, sondern enthielt vor allem auch eine Festlegung von Import-Kontingenten sowie die Gewährung von Steuererleichterungen für italienische Produktionen. Auch in die Produktion hinein war das Gesetz folgenreich: Ein Zentralbüro für das Kinowesen (dessen Vorsitzender Andreotti wurde) entschied nach Prüfung des Drehbuchs indirekt über die Realisierbarkeit eines Filmprojekts, weil die Vergabe von Krediten der Banco Nazionale del Lavoro vom Votum des Büros abhing. 1949 kam es auch zum ersten Koproduktions-Abkommen mit der französischen Filmindustrie.


Das Andreotti-Gesetz war auf fünf Jahre limitiert, doch forderten schon im Januar 1954 gewerkschaftlich organisierte Filmbeschäftigte eine Verlängerung, weil die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der nationalen Filmindustrie angesichts des amerikanischen Angebots auf dem Weltmarkt absehbar waren. Am 31.7.1956 lief das Andreotti-Gesetz aus und wurde durch das Gesetz Nr. 897 abgelöst, das die Zuschüsse zu nationalen Produktionen automatisierte, das Prämien für qualitativ herausragende Filme vorsah und das vor allem den Anteil des italienischen Films auf 100:365 (an 100 Tagen mussten die Kinos italienische Filme zeigen) erhöhlte.

Literatur: Quaglietti, Lorenzo: Il cinema italiano del dopoguerra. Pesaro: Mostra internazionale del Nuovo Cinema 1974 (Leggi, produzioni, distribuzione, esercizio, quaderno informativo. 58,10.). - Quaglietti, Lorenzo: Storia economico-politica del cinema italiano, 1945-1980. Roma: Ed. Riuniti 1980 (Universale. 10: Arte e spettacolo.).


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HHM


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