Lexikon der Filmbegriffe

Qawwali-Party

Als Qawwali-Party bezeichnet man eine aus dem Sufismus – dem islamischen Mystizismus – stammende Musikformation. Sie besteht in der Regel aus einem Tabla- und Dholak-(=Trommel)Spieler, oft auch einem Harmonium-Spieler und zwei Sängern. Darüber hinaus kann sie auch noch um mehr Sänger und Rhythmusinstrumente erweitert werden. Traditionellerweise besteht sie aus Männern. Die gesungenen Texte entstammen einer religiösen
Tradition, in der dem Liebesgedicht bzw. Liebeserklärungen eine religiöse Dimension zugeschrieben ist. Es gibt verschiedene Formen, die bekannteste ist die des Ghazals. Eine Qawwali-Nummer dauert im Durchschnitt zwischen 15 und 20 Minuten.


Im Hindi-Film werden Qawwali Parties in der Funktion eines griechischen Chors eingesetzt. Die Handlung wird mittels der Musiknummern auf eine höhere Ebene gehoben und kommentiert. Dabei ist die Qawwali-Party nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, ihre Mitglieder haben jedoch außerhalb der Musiknummer keine Rolle im Film, gehören also weder der diegetischen Realität der Handlung an noch sind sie in die Narration involviert. Einer männlichen Qawwali-Party wird in der Dramaturgie des Hindi-Films gern eine rein weibliche gegenübergestellt.


Auch die Qawwali-Party ist auf den ersten Blick einer massiven Säkularisierung und Enttraditionalisierung ausgesetzt: Die ursprünglich religiös konnotierten Texte werden zunehmend auf ihre weltliche Dimension beschränkt. Andererseits sind solche Musikeinlagen aber bis heute in der Lage, einen Bezug der Handlung und/oder der Figuren des Films mit einem der beiden großen Epen Indiens, dem Mahabharata und dem Ramayana herzustellen.


Qawwali-Parties finden sich bis heute im Hindi-Film, besonders prominent etwa in Awaara (1951) oder am Ende von Pardes (1997).


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: CT


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