Lexikon der Filmbegriffe

Quadrophonie

von lat.: quattuor = vier, griech. Phone = Stimme, Laut, Ton; auch: Vierkanalstereophonie; manchmal auch: Quadraphonie (von lat. quadratus = viereckig)

Die Überlegung, dem Zuhörer Tonverfahren anzubieten, die ihm eine akustische Rundum-Orientierung gestattet (surround sounds) gestatten, ist sehr alt und eine Ausprägung der Idee, auch im Ton Illusionierungsprozesse zu erleichtern. Schon die Stereophonie gestattet ja eine Richtungsorientierung nach vorne, wenn es gelingt, den Ton so zu mischen, dass der Zuhörer die beiden Lautsprecher zu einer sogenannten „Phantomschallquelle“ synthetisiert, die selbst räumliche Qualitäten hat. Gelingt dies nicht, entsteht der Eindruck von „Lücken“ im Klangfeld. Je mehr man sich der räumlichen Illusion annähern will, umso wichtiger wird es, die Abstimmung der einzelnen Kanäle zu verfeinern – zumal die Phantomschallquellensynthese vom Zuhörer aus nur nach vorn (bis zu den Seiten) geleistet werden kann. Echte Quadrophonie mit zwei Rückkanälen schafft einen Tonraum, den der Zuhörer psychophysiologisch gar nicht wirklich erfassen kann (und der auch in der Kinosituation oft nur mittels der Szenenillusionierung als „Rückton“ identifiziert werden kann).


Quadrophonische Verfahren wurden in den 1960er Jahren entwickelt und 1971 der Öffentlichkeit vorgestellt, die jeweils zwei Lautsprecher für die Vorn-, zwei für die Rückorientierung kombinierte. Es gab zwei konkurrierende Verfahren: (1) Die diskrete Quadrophonie wurde von RCA und JVC und (2) die Matrix-Quadrophonie-Variante von Sony und Columbia entwickelt. Bei der Quadrophonie ist jeder der vier Kanäle ein Monokanal, aber jeder dieser Kanäle hat einen anderen Klanginhalt; durch das Zusammenspiel aller Kanäle wird ein 360° überdeckendes Klangfeld erzeugt. Im ersteren Fall werden die vier Kanäle separat aufgezeichnet und wiedergegeben; im letzteren dagegen werden sie mit Hilfe komplexer mathematisch-elektronischer Verfahren unter Ausnutzung von Phasenunterschieden in zwei Stereokanäle codiert und beim Abspielen wieder decodiert (deshalb die Bezeichnung „Matrix-Verfahren“).


Die diskrete Quadrophonie war von Beginn an technisch ausgereifter. Vor allem die Kanaltrennung war deutlich besser. Die ersten Surround-Systeme der Firma Dolby wurden allerdings im Matrix-Verfahren entwickelt, das 1975 mit StarWars vorgestellt wurde.


Literatur: Audio Engineering Society: Quadraphony. An anthology of articles on quadraphonic sound from the pages of the Journal of the Audio Engineering Society vol. 17-23 (1969-1975). New York: N.Y. Audio Engineering Society 1977. – Baumann, Dorothea: Mono - Stereo - Quadro. Die Aufnahme und Wiedergabe von Musik. Basel: F. Reinhardt 1986.
 

Referenzen:

Dolby Surround


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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