Lexikon der Filmbegriffe

Backstory Wound

Sonderfall der back story, bei dem es um Verletzungen und Beschädigungen geht, die ein Akteur im Verlauf der Vorgeschichte eines Films erfahren hat. Solche „Wunden“ sollen das Verhalten der Figur verständlich machen, sie sollen es motivieren. Deutlich spürbar ist ein Persönlichkeitsmodell, das die gegenwärtigen Komplexe und Syndrome einer Figur aus zurückliegenden und oft verschütteten Erlebnissen erklärt. Das gilt sogar für historische Figuren; so wird etwa der junge Alexander in Alexander (USA 2004, Oliver Stone) traumatisiert durch sein Beisein bei der Vergewaltigung der Mutter, eine Persönlichkeitsschädigung, die noch den Kaiser und Feldherren beeinflussen wird. Die vielen Querbezüge zur psychoanalytischen Theorie liegen auf der Hand. So nimmt es nicht wunder, dass manchmal solche bis in die Kindheit zurückweisenden Traumatisierungen gelegentlich zum Thema psychoanalytischer Thriller werden. Ein Beispiel ist Marnie (1964, Alfred Hitchcock) – in dem die Heldin einen Liebhaber der Mutter tötete, allerdings außer einer Rotphobie keine Erinnerung daran behielt; ein anderes ist L'Avventuriero (1967, Terence Young), in dem die junge Arlette, die später als geistig zurückgeblieben und verwirrt erscheint, in früher Kindheit der blutigen Ermordung ihrer Eltern beigewohnt hat; Schuldkomplexe und offene Angst vor Blut und Feuer bleiben als Spuren des Geschehens haften; erst als sie eines Nachts die schreckliche Erinnerung neu durchlebt, kann sie das Kindheitstrauma überwinden.

Literatur: Krützen, Michaela: Dramaturgie des Films. Wie Hollywood erzählt. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Vlg. 2004, S. 25-62.
 

Referenzen:

Backstory


Artikel zuletzt geändert am 12.10.2012


Verfasser: HJW


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