Lexikon der Filmbegriffe

Vaudeville

Der Begriff Vaudeville ist ursprünglich wohl aus „Val de Vire“ abgeleitet worden, dem Tal der Vire in der Normandie, wo der Volksdichter Olivier Basselin um 1400 die nach seiner Heimat benannten Gassenhauer und Volkslieder dichtete und bei Festen und Trinkgelagen zur Unterhaltung des Volkes vortrug. Vaudeville bezeichnete sodann populäre Lieder sowie Liedeinlagen in den Stegreifstücken der italienischen Komödianten in Paris (seit etwa 1640) und wurde schließlich zur Bezeichnung der Stücke und schließlich des Theaters selbst.
Das erste Vaudeville-Theater wurde 1792 von Pierre Barré in Paris gegründet. Im 19. Jahrhundert entwickelte es sich zu einer Form des allgemeinen Unterhaltungstheaters, speziell in Großbritannien (hier sprach man meist von music halls) und den USA, und präsentierte neben kurzen Stücken und Sketchen verschiedene Showeinlagen wie Artistik, Tanz, Auftritte von Alleinunterhaltern oder Zauberkünstlern in einem zusammenhängenden Nummern-Programm. In Frankreich und Deutschland entspricht dem die Tradition des Kabaretts oder dee Varietés, wobei im Vaudeville die Betonung der Comedy-Elemente stärker ist. Das frühe Kino wurde zu einem Teil der Vaudeville-Programme. Auch entstammten viele Komödianten des frühen Films den Vaudeville-Theatern, und sie transportierten Schauspielstile, Unterhaltungsformen und Gagstrukturen vom Theater in den Film.

Literatur: Allen, Robert C.: The movies in Vaudeville: Historical context of the movies as popular entertainment. In: The American film industry. Ed. by Tino Ballio. Madison, Wisc.: University of Wisconsin Press 1985, S. 57-82. – Jenkins, Henry: What made Pistachio nuts? Early sound comedy and the Vaudeville aesthetic. New York: Columbia University Press 1992. – Anthony Slide: The Encyclopedia of Vaudeville. Westport, Conn.: Greenwood 1994.


Artikel zuletzt geändert am 16.07.2011


Verfasser: HJW KJ


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