Lexikon der Filmbegriffe

Williamson Kinematograph Company

Williamson Kinematograph Company wurde von dem Chemiker und Apotheker James Williamson gegründet, der zuvor als Kodak-Agent gearbeitet hatte und der - nachdem er die Röntgen-Fotografie in Sussex vorgestellt hatte – 1896 seine ersten Filmprogramme in Hove, East Sussex, zeigte. 1897 begann er selbst, Filme aufzunehmen, ein erster Katalog mit 60 Titeln lag 1899 vor. Handelte es sich bei diesen Filmen meist noch um kurze One-Reelers, bildete Attack on a China Mission (1900) einen großen Durchbruch zur Montage – der Film gilt als eines der allerersten Beispiele für eine Alternationsmontage, mittels der Williamson eine Verfolgung realisierte. Die Anschluss-Kontinuität blieb eines der Themen – sie war schon in Stop Thief! (1901) weiterentwickelt worden. Our New Errand Boy (1905) gilt als eine der schnellsten Burlesken des frühen Kinos und erzählt von den chaotischen Geschehnissen, die ein Junge auf den Straßen von Hove auslöst. Williamson gehört dank seiner Montage-Neuerungen – neben George Albert („G.A.“) Smith, dem Erfinder der Großaufnahme, und Charles Urban, der den Kinemacolor-Prozess erfand – zur sogenannten „Brighton School“. 1902 erfand Williamson das Format der picture stories - gemeint waren Docudramas nach Berichten von Soldaten, die in Südafrika im Einsatz gewesen waren. Im gleichen Jahr öffnete ein firmeneigenes Studio und Kopierwerk (in Hove, Sussex); die ganze Familie war in die Produktionen involviert (als Kulissenmaler, Requisiteure, Kostümbildner u.a.m.). Um 1907 war Williamson ein erfolgreicher Filmproduzent; eine New Yorker Niederlassung wurde eröffnet, der Hauptsitz von Hove nach Willesden (bei London) verlegt. Vor allem auf Grund der Bestrebungen der Motion Picture Patents Company (Williamson hatte noch am Congrès des Dupes, 1909 in Paris, teilgenommen, der dazu dienen sollte, die europäischen Filmhersteller gegen die MPPC stärker abzuschirmen) stellte Williamson aber 1909 die Produktion von Filmen ein und konzentrierte sich ab 1910 ausschließlich auf den Bau von Kameras, Perforatoren, technischem Zubehör sowie Laterna-Magica-Bildern.

Literatur: Gray, Frank: James Williamsons „gestelltes Bild.“ In: KINtop 6, 1997, S. 28-42. – Sopocy, Martin: A narrated cinema: the pioneer story films of JamesA. Williamson. In: Cinema Journal 18,1, 1978, S. 1-28. Frz. in: Les Cahiers de la Cinémathèque, 29, Winter 1979, S. 108-26. – Sopocy, Martin: James Williamson. Studies and documents of a pioneer of the film narrative. Madison, Wisc. [...]: Farleigh Dickinson Univ. Press [...] 1998.


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: JH


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