Lexikon der Filmbegriffe

Okularisierung

frz.: ocularisation

Nach einem Vorschlag von François Jost faßt ocularisation sowohl die Perspektive wie aber auch die relativen Wissensstände der Figuren, der Zuschauer und der Schauspieler zusammen. Okularisierungen werden durch Kameraeinstellungen, Kamerabewegungen und andere technische Mittel dargestellt bzw. angezeigt. Jost unterscheidet vier verschiedene Typen der Okularisierung: (1) Im Falle der Null-Okularisierung ist das Bild unabhängig von den Figuren, es ist außerhalb der Handlungslogik und des Wissens von Figuren begründet. (2) Bei der internen Okularisierung weiß der Zuschauer genauso viel wie der Charakter im Film; ein Beispiel ist die Blickmontage, die meist eng an die Nachzeichnung der Wahrnehmungswelt und die Aufmerksamkeit einer Filmfigur angelehnt ist. (3) Bei der externen Okularisierung zeigt das Bild einen Charakter, der etwas betrachtet oder anderweitig wahrnimmt, was der Zuschauer nicht sieht. Der Zuschauer weiß also weniger als der Charakter im Film. Das Bild zeigt z.B. eine Figur, die etwas anschaut, der Zuschauer erfährt aber nicht, was. (4) Im Falle der zuschauergebundenen Okularisierung weiß der Zuschauer mehr als der Charakter im Film. Ein berühmtes Beispiel ist Welles‘ Citizen Kane (1941): Der Zuschauer sieht am Ende den Namen ,Rosebud‘ auf dem verbrennenden Schlitten, kann so darüber spekulieren, weshalb Kanes letztes Wort ,Rosebud‘ war – im Gegensatz zu den Charakteren des Films, die diese Information nicht erhalten haben.

Literatur: Jost, François: L'oeil‑caméra: entre film et roman. Lyon: Presses Universitaires de Lyon 1987. – Kuhn, Markus: Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin [...]: de Gruyter 2011, bes. S. 119-194. 
 

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