Lexikon der Filmbegriffe

Serienmörder

auch: Frauenmörder, Kindermörder, Massenmörder, Triebtäter, Serienkiller; engl.: serial killer

Kriminologisch betrachtet ist ein Serienmörder ein Mörder, der mindestens dreimal in verschiedenen Situationen getötet hat. Der Begriff wurde in den USA in den 1970er Jahre geprägt, parallel zu dort gehäuft auftretenden Kriminalfällen. Kulturgeschichtlich ist der Serienmörder seit den Morden Jack the Rippers populär: in Kriminal- und Schauergeschichten, als Motiv in der Malerei und als Figur von über 800 Spielfilmen. Seine Attraktivität basiert auf der Kombination der Themenbereiche Gender, Gewalt und Sexualität, die in den Serienmörderfällen oft drastische Formen annimmt. Serienmörder bevölkern vor allem Horror- und Slasherfilme sowie Psychothriller. Sie gehören inzwischen zu Standardfiguren des Films und kommen neuerdings auch als Persiflage der ursprünglichen Figuren vor.
Serienmörderfiguren finden sich im Film von Beginn an (erinnert sei an Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder, 1931). Geradezu epidemisch wurden in den 1980er und 1990er Jahren Serienmörderfilme in den Markt gebracht (weshalb man sogar vom serial killer film als einem Kleingenre spricht); worin sich die massive Akzeptanz der Figur gerade in diesen beiden Dekaden erklären lässt, ist ungeklärt. Inzwischen hat sich eine ganze Typographie des Serienkillers herausgebildet: In Hitchcocks Psycho (USA 1960) wurde der Typus des schüchternen, eigentlich sympathischen Psychopathen grundgelegt, in The Texas Chainsaw Massacre (1974, Tobe Hooper) und Halloween (1978, John Carpenter) der des gesichts- und profillosen, nur noch funktional bestimmten Massenmörders; in Manhunter (1986, Michael Mann) wurde der Typus des psychisch gestörten, in eine halluzinogene Wirklichkeit abtreibenden Psychopath dramatisiert, Silence of the Lambs (1990, Jonathan Demme) zeigte den kultivierten und gebildeten, aber radikal zynischen Machtmenschen und Menschenfresser, Seven (1995, David Fincher) schließlich erzählt von einem Mörder, der den Mord als Inszenierung betreibt und darin einen grotesken Intertext zur Vorstellung der Todsünden baut; am Ende sei Copycat (1995, Jon Amiel) erwähnt, der den Serienmord als Dialog mit medialen Vorbildern auslegt und darin einen fundamentalen Subjektverlust festmacht.

Literatur: Juhnke, Karl: Das Erzählmotiv des Serienmörders im Spielfilm. Eine filmwissenschaftliche Untersuchung. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2001.
 

Referenzen:

pathologischer Killer

Psychopath

Psychopathie


Artikel zuletzt geändert am 21.01.2012


Verfasser: KJ HJW


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