Lexikon der Filmbegriffe

Jukebox-Musical

von engl.: jukebox = Musikbox

(1) Ein Jukebox-Musical ist ein Film- oder Bühnen-Musical ohne Original-Score bzw. -Partitur. Gewissermaßen kehrt sich die Produktionslogik normaler Musicals um – für das Musical oder auch für die Rock-Oper werden Songs geschrieben, die sich danach möglicherweise als Evergreens vom ursprünglichen Musical lösen; die Songs dienen aber primär dazu, die Geschichte zu erzählen. Im Jukebox-Musical werden dagegen bereits veröffentlichte Lieder als Potpourri in eine erst später dazutretende Handlung eingebettet. Oft sind die Stories dieser Kompilationen den Biographien der Interpreten gewidmet. Ein bekanntes neuestes Beispiel ist Mamma Mia! (Großbritannien/USA/BRD 2008, Phyllida Lloyd) mit den Liedern und der Biographie der schwedischen Gruppe ABBA. Andere Beispiele dieses Verfahrens rock meets theatre ist das von den Liedern Billy Joels inspirierte Musical Movin’ Out und der Queen-Tribut We Will Rock You, die bislang noch nicht verfilmt wurden (Stand: 2008).

Die Verfahrensweise, die Jukebox-Musicals zugrundeliegt, basiert auf der ökonomischen Auswertung der Popularität von Musiken durch den Film (und nicht umgekehrt) – Filme erweitern die Verwertungskette der Musik um ein zusätzliches Glied. Das Verfahren ist nicht neu, hat mit Singin‘ in the Rain (USA 1952, Stanley Donen, Gene Kelly), den Beatles-Filmen (wie A Hard Day‘s Night, Großbritannien 1964, Richard Lester, oder Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band, Großbritannien 1978, Michael Schultz), The Wall (Großbritannien 1982, Alan Parker, nach der Konzept-Platte von Pink Floyd von 1979) bis zu Woody Allens parodistischem Everyone Says I Love You (USA 1996) eine ganze Reihe von Vorläufern. Allerdings deutet es sich an, dass das Jukebox-Musical eine Form ist, die eng mit dem Zusammenwachsen von Film- und Musikindustrie am Ende des 20. Jahrhunderts zusammenhängt und neben den Biopics berühmter Künstler der Populärmusik (wie Ray, USA 2004, Taylor Hackford, über Ray Charles, Walk the Line, USA 2005, James Mangold, über Johnny Cash, oder La Môme, Frankreich 2007, Olivier Dahan, über Edith Piaf) eine weitere Spielart darstellt, die das Kapital der Popularität der Musik zu verzinsen sucht. Alle derartige Produktionen erhöhen die Bekanntheit der zugrundeliegenden Musik, die Soundtracks spielen erhebliche Summen ein, die Filme erweisen sich als höchst effektive Auffrischung der Attraktivität eines schon eingeführten Produkts.


(2) manchmal als Bezeichnung für kurze Musikfilme oder Film-Schnipsel, die mit musikbox-ähnlichen Apparaten ausgewertet wurden
 

Referenzen:

Scopitone

Soundies


Artikel zuletzt geändert am 13.10.2012


Verfasser: HHM


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